Wie mich Low Carb in den Ruin trieb

Werbeanzeigen

Ich hatte diese Ernährungsform schon oft gehört, ohne sie überhaupt richtig zu verstehen. Immerzu warben die verschiedensten Plattformen mit Gerichten und diesem besonderen Lebensstil. Viele meine Freunde scheinen bis heute sehr zufrieden damit zu sein und klagen kaum über irgendwelche Beschwerden.

Low= wenig 

Carbs= Kohlenhydrate

 Klingt im ersten Moment ziemlich einleuchtend. Der Anteil der Kohlenhydrate wird bei der Ernährung also reduziert.

Diese Sätze schwirrten ziellos durch meinen Kopf und verzerrten meine Wahrnehmung. Wie viele andere glaubte ich an all jede stereotypischen Aussagen, ohne sie und ihre biologische Aussage auf den menschlichen Organismus verstanden, geschweige denn hinterfragt zu haben. Als ich nach der Ursache fragte, bekam ich die Antwort im Internet.

Zusammengefasst heißt das so viel wie, dass uns Kohlenhydrate genügend Energie liefern. Wenn gerade aber keine Energie benötigt wird, wandelt der Körper sie automatisch in Fett um. Und sind Kohlenhydrate überhaupt nicht vorhanden, geht die Verbrennung gleich über zu den Fettreserven.

Ich war ziemlich baff. War es wirklich so simpel?

Warum nicht ausprobieren, dachte ich. Mal schauen, was passiert. Ich fing also eines Abends an, auf Kohlenhydrate zu verzichten. Von nun an gab es kein Brot zu Abend, sondern z.B ein Stück Filet mit Gemüse. Es dauerte seine Zeit, bis mein Körper nicht mehr nach Kohlenhydraten lechzte, aber das überlebte ich schnell, denn statt Kohlenhydrate hieß ich ein neues „Produkt“willkommen: Fett!

Fett ist wichtig, sagten sie (das Internet). Ungesättigt ist lebensnotwendig, sagten sie. Ohne Fett kann man nicht abnehmen, sagten sie. Zudem sei er wohl ein viel besserer Energieleferant. Und Fett enthielt keine Kohlenhydrate. Es schien wie ein Traum, all die „fettigen Produkte“, wie Öl, Butter oder Käse in den Essplan einzuführen. Und das Beste an allem war, dass ich selbst nach einem großzügigen Stück Käse zum Abendessen, doch tatsächlich abnahm.

Naja. So utopisch war das Ganze leider doch nicht. Doch dies erfuhr ich nur in einem schleichenden Prozess.

Die anfänglichen Symptome

Fleisch. Ich hatte einen so unbändigen Drang nach Fleisch. Da ich permanent das Gefühl hatte, dass meinem Körper selbst nach einem Sättigungsfgefühl etwas fehlte, konnte ich keinen Tag auskommen, ohne Fleisch zu essen. Für mein moralisches Empfinden war das sehr bedauerlich, denn obwohl ich keine Vegetarierin bin, konnte ich eine lange Zeit gut darauf verzichten.

Seltene Klositzungen. Okay, das Thema Stuhlgang ist nicht gerade in den Top 5 meiner Lieblingsdiskussionen, aber lasst euch gesagt sein, dass durch eine Ernährung ohne verdauungsfördernde Lebensmittel und ausreichenden Ballaststoffen, der Gang zum Klo nicht mehr täglich sein wird….Im Gegenteil. Das Resultat: Ein aufgeblähter Schwangerschaftsbauch, gefolgt von Schmerzen.

Rückfälle. Ich hatte zwar diesen Lebensstil angenommen, jedoch nicht ohne den einen oder anderen „Cheat day“. Alles, was verboten war, schien umso verlockender, trotz der positiven Resultate. Sushi mit Freunden war kein Vergnügen mehr, sondern eine kleine  Ausnahme, ein Ausrutscher, den ich aufrichtig bereuen würde.

Die späteren Folgen

Mehr Kilos auf der Waage. Irgendwann nahm ich nicht mehr ab. Ich erfuhr auf die harte Weise, dass es nicht nur darum geht, keine Kohlenhydrate zu essen, um abzunehmen, sondern auch eine gewisse Kalorienzufuhr aufrecht zu erhalten. Mein Organismus brauchte nach einem Sättigungsgefühl immer noch etwas anderes.

Schwächeanfälle. Ich erfuhr am eigenen Leib wie es ist, keine ausgewogene Ernährung mehr zu führen. All das Fleisch, all das Fett, all das verkochte oder rohe Gemüse. Mir ging es irgendwann hundeelend, obwohl ich nicht (physisch) krank war.

Appetitlosigkeit.Viele Lebensmittel kann ich bis heute kaum mehr genießen, weil ich diese über ein Jahr lang intensiv auf meinem Tagesplan hatte. All die erlaubten Gerichte mit Ei, all die Gemüsepfannen – sie waren nur noch eintönig und langweilig.

Warum aber ein Ruin?

Abschließend noch einmal zurück zu meiner Überschrift: Indem ich mich bewusst dazu entschied, eine „Diät“ zu bei einem durchschnittlich schlanken Körper zu starten, begann die Reise in die Essstörung. Der Beginn einer neuen Ära. Einem Leben umhüllt von Kontrolle, Verzichten und meinem neuen Dauerbesucher: Mr. Heißhungerattacke.

Es ist mir ein Rätsel, wie die Menschen in meinem Bekanntenkreis niemals von jenen Folgen erzählten, die ich durchlitt. Entweder sie waren unehrlich oder mein Organismus ist anders. Natürlich werde ich keinen anlügen. Die low Carb Diät funktioniert. Sie funktioniert sogar ziemlich schnell. Aber ich halte absolut nichts Gutes von ihr und jetzt wisst ihr wieso.

Es ist weniger Leben, als mehr Zwang. Als würde man sich in schöne Schuhe quetschen. Klar ist man plötzlich größer und hat längere Beine, aber am Ende des Tages schmerzen die Füße. Man gewöhnt sich natürlich daran, aber sie werden niemals ein bequemeren und gesünderen Ersatz zu bequemen Turnschuhen sein. Auf Dauer sind sie keine Alternative. Mit dieser nicht sehr geistreichen Metapher schließe ich mein Plädoyer.

Euch einen schönen Start in den Mittwoch! ♥

Werbeanzeigen

Werbeanzeigen