Höhenangst – eine neue Erkenntnis über mich

Es ist lustig, wenn man glaub, sich selbst sehr gut zu kennen und dann doch wieder etwas neues über sich erfährt…

Seit meinem Urlaub ist mir klar, dass ich Höhenangst habe, denn ich musste ein paar prägende Momente erleben. Ich möchte hierzu meine Erfahrung mit euch teilen, weil meine ursprüngliche Definition über Höhenangst eine völlig andere war und es dem ein oder anderen vielleicht ähnlich ergeht.

Angst vor der Höhe?

Ich hatte eigentlich nie ein Problem mit der Höhe. Ich fliege zwar nicht gerne mit dem Flugzeug und setze auch keinen Fuß in eine Achterbahn. Aber über Brücken laufen oder von einem hohen Stockwerk nach unten schauen, war immer völlig ok.

In der neunten Klasse waren wir auf Klassenfahrt und ein Mädchen aus meiner Klasse fing an zu weinen, weil sie nicht über eine niedrige Brücke laufen konnte. Ich schäme mich zu sagen, dass ich das damals für völlig übertrieben hielt und ich dachte, dass sie Aufmerksamkeit wollte…Seit meinem Urlaub weiß ich, dass sie wirklich ängstlich war.

Wir fuhren an Klippen entlang.

Unser Urlaub befand sich auf einer kleinen Insel im Mittelmeer. Mein Freund fuhr im niedrigen Gang und gab ordentlich Gas. Die Insel war klein, aber sehr steil. Und die Straße war relativ schmal. Bei Gegenverkehr wurde es sehr eng.

Es gab keinen Schutz.

Keinen Zaun, kein Geländer, nichts. Wären wir ein wenig nach rechts gefahren, dann wäre das Auto die Klippen hinunter ins Meer gestürzt. Und als ich diesen Gedanken in meinem Kopf zuließ, fing es an.

Panik.

Ich tat zuerst das, was kein Mensch am Steuer hören will. Ich bat ihn langsamer zu fahren, mehr nach links zu fahren, nicht zu nah an den Klippen zu fahren und noch viel langsamer zu fahren. Kurz: ich kritisierte seinen Fahrstil.

Dass er so viel Gas gab, machte mir Angst, aber er hatte ja keine andere Wahl. Irgendwann war ich still und sagte nichts mehr. Mir wurde schwindelig und übel. Mein Freund fragte die ganze Zeit was los sei und das machte mich nur nervöser. Ich konnte mich weder bewegen, noch sprechen. Er nahm an, dass es an seiner Fahrkunst lag, was natürlich nicht stimmte (Das sagte ich ihm auch 100 mal). Auf dem Rückweg fuhren wir durch die Stadt, weil mir der andere Weg zu beängstigend war.

Am nächsten Tag fuhr ich.

Ich dachte, dass wenn ich selbst konzentriert Auto fuhr, weniger Angst hätte. Das klappte zunächst ganz gut. Ich fuhr sehr langsam und vorsichtig.

Als wir jedoch an einen steinigen Feldweg kamen und die Kurven immer enger wurden, bekam ich Panik. Der Weg war steil und ich bremste scharf. Mein Freund schrie, zu bremsen und obwohl ich bremste, hielt es nicht an. Der Weg war zu steinig. Ich fragte mich, ob wir es schaffen würden, schnell aus dem Wagen zu springen, um dem Tod zu entkommen. Ganz nah an der Klippe kam der Wagen zum Stehen.

Mein Freund entschuldigte sich sofort für seinen Ausbruch und schlug vor weiterzufahren. Ich konnte mich nicht rühren. Ein Strom aus Tränen floss an meinen Wangen herunter und wollte nicht aufhören. Mein Atem wurde immer schlimmer, bis ich hyperventilierte. Als er den Wagen ein Stück weg von der Straße fuhr, blieb ich 20 Minuten im Wagen sitzen und weinte weiter. Er wollte mich in den Arm nehmen, doch ich wollte und konnte nicht berührt werden. Ich musste für mich sein.

Schwindel, Übelkeit, Tränen, Panikattacke.

Das alles löste die Höhenangst in mir aus. Und nicht weniger schlimm war, dass mein Freund sie nicht verstand und meine Distanz persönlich nahm und sich zurückgewiesen fühlte. Ich geriet also in einen Konflikt mit ihm und musste ihn erklären, dass es meinerseits keinen Konflikt gab. Aber auch das lernte ich über ihn: er denkt immer, dass etwas seine Schuld ist.

Jeden Abend lag ich im Bett und merkte wie alles um mich herum wackelte. Ich schloss die Augen und befand mich wieder auf der Straße. Ich wollte es nicht, doch ich stellte mir trotzdem vor, wie wir die Klippen hinunterstürzten. Diese ganze irrationale Angst ließ mir keine Ruhe. Nach drei Tagen gaben wir das Auto zurück.

So viel also zu meiner Höhenangst. Ich weiß nun, dass es zu einem Punkt kommen kann, in dem mich die Angst vor Höhe einnimmt und irrationale Ängste auslöst.

Irgendwelche Überlebenstipps?

Aber Tipps dagegen habe ich keine. Das einzige, das mit einfällt, ist mich von diesen Trigger-Orten fernzuhalten. Ich frage mich, ob es bei einer solchen Angst überhaupt einen Ausweg gibt.  Schließlich kann man Angstzustände nicht beeinflussen – oder?

Geht es euch ähnlich bei Höhe? Oder lässt sie euch kalt?

Habt einen schönen und „bodenständigen“ Abend! ♥

PS. Verzeiht diesen schrecklichen Wortwitz 😀

9 Kommentare zu „Höhenangst – eine neue Erkenntnis über mich

  1. Hey, das ist natürlich keine tolle Art, neue Seiten an sich und aneinander kennenzulernen. – Was Deinen Freund betrifft, kann ich mir vorstellen, daß ihn das alles irritiert hat. Aber hier ist – wie so oft- Kommunikation alles.
    Die Idee, selbst zu fahren, finde ich eigentlich eine gute im Sinne von Kontrolle über die Situation zu erlangen. Ich weiß auch nicht ob es bei Dir wirlich Höhenangst ist oder eher der Abgrund dieses ungute Gefühl bei Dir auslöst? Vielleicht magst Du Dich ja in ganu kontrollierbaren Situationen und vertrauter Umgebung nochmal ein wenig an Höhe wagen? Und wenn nicht dann ist es halt so.

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    1. Danke für deine lieben Worte! Eigentlich hatte ich ja nie diese großen Probleme mit Höhe. Wie gesagt geht es in vielen Situationen! Ob man es wirklich als Höhenangst definieren kann, weiß ich auch nicht…vielleicht ist ja auch alles eine Sache der Gewohnheit. Müsste ich diesen Weg jeden Tag zur Uni fahren, würde ich mich vermutlich früher oder später daran gewöhnen…
      Ganz liebe Grüße!

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  2. Gestern ging’s mir im Stadion auch wieder so. Ganz schlimm. Komischerweise kam meine Höhenangst erst im Jugendalter. Ich hoffe, wir können das irgendwann mal überwinden 😊

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  3. Hallo meine liebe Mia!

    Zunächst einmal klingt dein Freund sehr lieb! Es ist schön, dass er dir in diesem Moment keine Vorwürfe gemacht zu haben scheint! Das freut mich sehr für dich 💚 wir brauchen Menschen um uns herum, die uns nicht das Gefühl geben, kaputt im Kopf zu sein🙃

    Dieser Ort klingt aber auch wirklich sehr extrem und die Angst die du durchlitten hast fürchterlich!
    Aber ohne dir zu nahe treten zu wollen bin ich mir unsicher, ob man wirklich den Begriff höhenangst verwenden bzw diagnostizieren sollte… Man greift so schnell zu solchen Begriffen.
    Ich meine, letztendlich war deine Angst doch, von der Fahrbahn anzukommen und zu sterben… Und ganz Abwägig finde ich diesen Gedanken in anbetracht der Straße nicht! Deine Panikattake ist nicht unbedingt unbegründet und es geht vielen auf solchen Straßen so, dass sie kaum Luft bekommen und die Augen schließen müssen usw (was natürlich immer noch nicht mit seiner Panik zu vergleichen ist… Aber ich meine nur die meisten reagieren in diesem Fall auf die Situation) deswegen würde ich an deiner Stelle das Wort höhenangst noch nicht so sehr manifestieren. Es war ein ausgeprägter angstzustand auf jeden Fall und es ist gut, wenn du ihn hinterher versuchst, zu analysieren… Doch sofern du bisher keine anderen Symptome hattest, würde ich nicht mit einer erwartungshaltung weiter gehen, nun angst vor der Höhe zu haben, dann kann man sich darauf sehr schnell einstellen, weißt du, was ich meine?

    Ich wo dir gerade nichts vorwerfen und das ist auch nicht im entferntesten ein „Steiger dich nicht rein“, keine sorge sowas würde ich nie sagen, weil ich weiß, wie der Kopf manchmal arbeitet🙈
    Aber wie gesagt, ich glaube, wenn man zu schnell solche Diagnosen in seinen Kopf zulässt, kann es manchmal dazu führen, dass man etwas verstärkt, was sich vllt nicht so sehr ausprägen würde, wenn man nicht mehr daran denkt…
    Und weil ich dir wünsche, dass du sowas nicht noch mal erleben musst hoffe ich, dass dir dieser Gedanke vllt etwas helfen kann.
    Letztlich wird die Zukunft zeigen, was anliegt… Doch vllt interpretiere diesen Vorfall nicht zu sehr, denn wie gesagt, eine ganz so Abwägig Angst war es nicht! Die Angst war begründet, nur hat dein Körper eben sehr stark reagiert, weißt du, was ich meine?
    Ich wünsche dir, dass dich diese angst nie wieder befällt! Vllt hast du die möglichkeit, sie aus deinem kopf zu verbannen!
    Ganz liebe Grüße an dich und ich hoffe, dich nicht vor den Kopf gestoßen zu haben 😉🌼❤️😊

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Luna, du könntest damit völlig recht haben! Ob Ich die Diagnose „Höhenangst“ wirklich habe, weiß ich nicht, aber ich hatte Angst vor der „Höhe“ und nahm an, dass es dasselbe ist. Zumal meine Gedanken mir auch irrational erschienen, weil gelegentlich die Angst größer war, als die Sache selbst. Und so is das glaub ich bei Höhenangst – oder? Die „höhenangst“ als Begriff zu nehmen, hat mit sehr geholfen, weil ich einfach nicht wusste, was mit mir stimmte, und warum ich so ängstlich war. Eine bloße Höhenangst hat mir geholfen, mich nicht so verrückt und wie ein weichei zu fühlen! Aber vielleicht könnte dieser Ort für viele sehr erschreckend sein! Schließlich sind all diese Bilder auch sehr viel fürs Gehirn ^^

      Ganz liebe Grüße und danke für deinen Kommentar! ❤️

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      1. Ich kann mir vorstellen, dass es einem auch hilft! Um seine eigene Reaktion einzuordnen und sich nicht „bekloppt“ zu fühlen…
        Doch das musst du ganz bestimmt nicht! Man sollte sich niemals für seine Ängste und Reaktionen schämen, sie sind etwas vollkommen neutrales!
        Ganz liebe Grüße 💚

        Gefällt 1 Person

  4. Also, ich hätte da auch ohne Höhenangst Schiss bekommen, erst Recht, wenn das Bremsen nicht auszureichen scheint und man schnell die Kontrolle über die Situation verlieren kann. Wäre wahrscheinlich keinen Meter mehr weiter gefahren.
    Finde Deine Reaktion zumindest begründet und nicht irrational. Dein Freund konnte damit offensichtliche cool umgehen und konnte Deine Angst nicht nachvollziehen.
    Ich hatte mal einen schweren Autounfall, nach 6 Wochen setzte ich mich das erste Mal hinter das Steuer. Es war schlimmer als die 1. Fahrstunde und Prüfung zusammen. Schlich mit 30 auf der Landstraße. Daher, Angst die Kontrolle über das Auto zu verlieren und eine tiefe Schlucht hinunter zu stürzen ist schon eine existenzielle Angst.
    Liebe Grüße

    Gefällt 3 Personen

    1. Danke für deinen Kommentar! Ich glaube dir, dass das Autofahren nach einem Unfall traumatisch sein kann! Ich hoffe, dass nichts schlimmes beim Unfall passiert ist!
      Vielleicht hast du recht, vielleicht ist die Angst hinunterzustürzen doch nicht irrational! Danke für diesen Gedankengang!

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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