„Magersüchtige sind extrem dünn“ – Gefährliche Klischees von Essstörungen

Wenn wir das Wort Magersucht hören, denken wir schnell an eine „krankhaft“ dünne Person, die nichts isst. Leider ist das ein gefährliches Klischee von Essstörungen!

Nicht alle magersüchtigen Personen müssen dünn sein. 

Im ersten Moment erscheint dieser Satz etwas wirr, denn die logische Konsequenz vom magerhaften Essverhalten ist der Verlust von Körpergewicht. Abgesehen davon haben wir all die Bilder von dünnen magersüchtigen Menschen im Kopf. Aber es gibt auch die a-tpische Verson, eine die von der Regel abweicht. Und die besagt, dass nicht alle Personen, die von Magersucht betroffen sind, spindeldürr sein müssen.

Menschen mit Normalgewicht können an Magersucht leiden.

In dem Beitrag von Anorexie Heute berichtet Alexandra von ihrer Magersucht und ihres Klinikaufenthalts trotz ihres Normalsgewichts. Besonders gefährlich dabei war, dass die Ärzte die Krankheit dadurch nicht sofort erkannten.

Auch einer ehemaligen Mitschülerin von mir wurde eine Pille verschrieben, von der sie stark zunahm. Dadurch sah man nicht sofort, dass sie an Magersucht litt. Ihr Gewicht war im Normalbereich, ihr Essverhalten hingegen anorektisch. Natürlich bemerkten alle, dass sie nie was aß, aber durch ihr Normalgewicht machte sich niemand große Gedanken darum.

Menschen mit Übergewicht können an Magersucht leiden.

Eine übergewichtige Person in meinem vertrauten Kreis war übergewichtig und verlor über wenige Monate sehr schnell ab. Sie war zwar noch immer etwas „übergewichtig“, aber deutlich schlanker. Was viele sich mit Sport oder gesunder Ernährung erklärten, war fatal, denn jene Person litt unter Magersucht.

Für sie war der Leistungsdruck besonders stark, da es für sie länger dauerte „dünn“ zu werden, als für eine ohnehin schon schlanke Person. Vor allem aber erhielt sie viele Komplimente. Freunde, Bekannte und Familie lobten sie für ihren schnellen Gewichtsverlust und bestärkten sie darin weiterzumachen.

Die Diagnose hängt nicht vom Körpergewicht ab, sondern von dem Symptomen.

Weist eine Person ein anorektisches Verhalten auf, wie zum Beispiel ein restriktives Essverhalten, Angst/Panik vor Zunahme oder Gewichtsverlust, ist eine Essstörung nicht ausgeschlossen. Selbst keine Magersucht, die häufigste aller Formen.

Unsere Anteilname darf nicht nur bei extrem dünnen magersüchtigen Betroffenen entstehen.

Jede/r, die/der unter einer Essstörung leidet, braucht Hilfe und Unterstützung. Wir dürfen nicht auf den Körperbau schauen und davon ausgehen, dass eine sehr dünne Person magersüchtig sein muss (das ist nämlich Skinny Shaming!) Das Essverhalten, sowie der psychische Bezug zum Essen und Körpergewicht sind ausschlaggebend.

Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Beitrag etwas mitgeben konnte und ihr vielleicht in Zukunft etwas wachsamer sein werdet. Viel zu viele Menschen leiden unter Essstörungen, ohne dass es uns bewusst ist…

 

4 Kommentare zu „„Magersüchtige sind extrem dünn“ – Gefährliche Klischees von Essstörungen

  1. Das ist ein unglaublich wichtiger Beitrag, den ich gerne jedem in der Welt zeigen würde! Vielen Dank dafür, Mia!

    Ich finde es auch besonders schwierig, weil die offizielle Diagnose Magersucht nur dann gestellt werden kann, wenn Untergewicht vorliegt. Das ist ein notwendiges Kriterium und das ist absurd. Lass mich nicht lügen, aber ich glaube es gibt hier Bestrebungen dieses Kriterium rauzunehmen. Das fände ich einen wichtigen Schritt.

    Liebe Grüße
    Julia

    Gefällt 1 Person

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