„Alles meine Schuld!“ – Wie ich mich wegen meiner Essstörung selbst bestraft habe

Wer mir auf Instagram folgt, weiß, dass ich in den letzten Tagen wieder mal in das Buch „Emotionale Gewalt“ von Werner Bartens geschnuppert habe. Während des Lesens ist mir eine wichtige Erkenntnis gekommen: Ich habe mich jahrelang wegen meiner Essstörung selbst bestraft. 

Schuld ist ein mächtiger Trigger. Richtet er sich an sich selbst, kann er abscheulich selbstzerstörerisch werden. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass eigene Schuldzuweisungen zu selbstverletzendem Verhalten zählen.

Meine Schuld?

Essstörungen sind komplexe Mysterien. Es reicht nicht, einem einzigen Menschen die Schuld für ihren Ausbruch zu geben – weder einem Exfreund noch einem selbst. Wie und warum eine Essstörung ausbricht, hängt von vielen Faktoren ab.

„Warum habe ich so viel gegessen?“

Diese Frage stellte ich mir immer wieder aufs Neue. Warum hatte ich nicht aus meinen „Fehlern“ gelernt? Warum quälte ich mich bewusst aufs Neue? Warum aß ich, obwohl ich wusste, dass ich es in zehn Sekunden bereuen würde? Warum war ich nicht stark genug, um mich selbst zurückzuhalten?

Ich bestrafte mich, indem ich meine Essstörung noch weiter auslebte.

Ob ich nun die Gefühle einer Freundin verletzt, einen Termin vergessen, oder eine schlechte Note geschrieben hatte; ich peinigte mich mit meiner Essstörung. Ich aß, um mich selbst zu bestrafen. Ich kompensierte, um mich selbst zu bestrafen. Ich schimpfte mit mir selbst, um mich zu bestrafen. Mit dieser Selbstbestrafung fügte ich mir einerseits emotionale Gewalt zu, andererseits aber auch körperliche.

Selbstbestrafung ist zerstörerisch für die Psyche.

Deshalb ist es wichtig, dass wir lernen und selbst zu vergeben. Bei einem Rückschlag sollten wir uns trösten, statt uns fertig zu machen. Selbsthass und Selbstvorwürfe bringen nichts! Allenfalls reiten sie uns nur noch tiefer rein.

Seid nicht zu streng mit euch! ♥

Ich weiß, dass Rückschläge immer sehr schwer zu verkraften sind, aber macht euch immer wieder bewusst, dass ihr nicht schuld daran seid. Seid euch selbst eine Freundin oder ein Freund. Hört euch zu, zeigt Anteilnahme, und VERGEBT euch! Hasst euch nicht!

PS.: Mein Buch „Zwischen meinen Worten“ ist jetzt erhältlich!

zwischen_meinen_worten

6 Kommentare zu „„Alles meine Schuld!“ – Wie ich mich wegen meiner Essstörung selbst bestraft habe

  1. Obwohl wir uns ja schon manches Mal zum Thema Schuldzuweisung an sich selbst ausgetauscht haben, hat mich Dein Eintrag hier noch einmal nachdenklich werden lassen und mir neue Aspekte aufgezeigt, jedenfalls so, wie ich sie bislang noch nicht betrachtet habe.

    Am intensivsten beschäftigt mich nun dieser Satz, den ich so noch nie gelesen oder mir gar vor Augen geführt habe:

    „Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass eigene Schuldzuweisungen zu selbstverletzendem Verhalten zählen.“

    So sehr ich das erst einmal verdauen muss, so sehr sehe ich meine Seele zu dieser Aussage nicken.

    Ich selbst „predige“ immer wieder gegen den Hass, nicht zuletzt gegen Selbsthass. Aber selbst, wenn ich die Schuldzuweisungen gegen mich selbst, nicht auf die Hassstufe stellen würde, so lässt mich nun der Gedanke mit der Selbstverletzung nicht mehr los.

    Das Problem ist, für mich ganz persönlich gesprochen (verallgemeinern kann und will ich das nicht), dass ich irgendwann nicht mehr weiß wohin mit all dem Druck. Und das immer wiederkehrende „Nicht-Verarbeiten- Können, Nicht-Kompensieren-Können“ dieses Druckes, das löst dann schon irgendein Denken gegen sich selbst aus. – Einerseits bin ich ja froh, dass ich bislang nie (körperliche) Selbstverletzung begangen habe, und auch keine Esssörung als „Kompensationsmittel“ hatte, aber um so drängender stellt sich für mich so ioft die Frage: Wohin mit dem Druck, den Angst und Depression immer wieder auslösen oder verstärken?

    In jedem Fall hast Du mal wieder ein sehr interessantes und wichtiges Thema angesprochen, mit dem ich, wie Du lesen konntest, noch ganz und gar nicht fertig bin.

    Dankeschön für den Impuls und ganz, ganz liebe Grüße an Dich! 💖

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  2. Sehr schöner Beitrag – danke❤
    Ich möchte die Gelegenheit nutzen um einen weiteren Gedanken zu teilen. Auch ich hatte mit dem Thema Schuld zu kämpfen. Egal WER einem Schuld zuschiebt – ob wir es selbst sind oder von außen Schuld zugeschrieben bekommen – es braucht immer uns selbst, um die Schuld anzunehmen. Nur wrnn ich Schuld annehme fühle ich mich schuldig. Schuldzuschreibungen innerlich dankend abzulehnen ist der erste Schritt zu weniger belastenden Schuldgefühlen. Denn oft fühlen wir uns nur schuldig ohne wirklich schuldig zu sein…

    Danke nochmals für den tollen Post🙏

    Gefällt 1 Person

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