Dienstagabend: Ausgeschlossen im Seminar

Man sagt, der Mensch steht sich selbst im Weg. Ich frage mich, ob da was dran ist, oder alles auf der Welt damit zu rechtfertigen ist, wie wir mit bestimmten Situationen (nicht) umgehen können.

Wieder einmal sitze ich in meinem Seminar. Diesmal sind nur sehr wenige anwesend. Mir ist kalt. Jemand hat das Fenster aufgemacht und ich traue mich nicht, es zu schließen. Alle sitzen gemeinsam in einer Reihe außer mir. Ich sitze wieder alleine. Und ich fühle mich dementsprechend so.

Natürlich war es meine eigene Entscheidung. Es ist nämlich genau ein Platz vor mir frei. Aber ich will nicht. Hier hinten habe ich meine Ruhe. Ich kann ohne Vorbehalte fröhlich in meinen Laptop tippen.

Lust auf Party?

Eine Kommilitonin fragte mich vorhin, ob ich nachher auch zur Weihnachtsfeier käme. Dies war heute schon die dritte „Einladung“ und ich lehnte wieder ab. Nicht, dass ich was vor gehabt hätte – ich traute mich einfach nicht. Und das hatte verschiedene Gründe.

Weihnachtsschmaus

Essen in der Öffentlichkeit? Die blanke Furcht vieler Essgestörter. Und auch meine. Ich kann mich manchmal echt gut zusammenreißen. Ich kann vor anderen essen und aufhören. Aber das schlechte Gewissen ist nach wie vor präsent. Der Gedanke an einem freien Buffet mit Weihnachtsgebäck und Getränken stellt all meine Nackenhaare auf. Es ist noch zu früh.

Gruppenbildung

Obwohl ich nicht da sein werde, kann ich mit absoluter Sicherheit sagen, dass sich viele Gruppen bilden werden. So ist es bei einer Feier immer. Ich habe zu genüge bei Veranstaltungen gekellnert, um genau zu wissen, dass eine große Feier mit vielen Gesten diverse Gruppen entstehen lässt und eine Person alleine entweder am Buffet steht, eine Weile aufs Handy starrt, oder sich wohl oder später einer Gruppe anschließt.

Ich möchte nicht alleine aufkreuzen und mich verzweifelt nach Menschen umschauen, die ich vielleicht kenne. Ich will keine zwanghaften Gespräche führen und mich in Themen einbringen, die mich nicht interessieren.

Allein

Und trotzdem fühle ich mich ausgeschlossen. Obwohl es meine eigene Entscheidung ist und die Einladung für jeden aus der Fakultät gilt. Aber ich fühle mich nicht bereit, hinzugehen. Den Grund will ich nicht zwingend auf meine Krankheit schieben, es fehlt mir auch eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Und um ehrlich zu sein auch die Lust. Im Winter wird alles in mir träge und faul. Ich sehne mich danach, die Kälte so schnell wie möglich hinter mir zu lassen und in mein warmes Bett zu fallen.

Warum also bin ich traurig darüber? Warum macht es mir so viel aus, auf eine Feier zu verzichten, auf die ich nicht will? Warum fühle ich mich einsam, wenn andere Menschen nach meiner Anwesenheit fragen?

Vielleicht will ich es ja wollen. Vielleicht will ich die Stärke besitzen, trotzdem gehen zu können. Vielleicht will ich aufhören, mir ständig selbst im Weg zu stehen.

Abende wie diese stimmen mich immer emotional, daher  vielleicht auch dieser dramatische Schreibstil. Und dennoch sind dies meine wahrhaften Empfindungen.

Das Seminar neigt sich leider nicht auch nur Ansatzweise dem Ende, aber mein Akku ist gleich leer, daher wünsche ich allen Lesern einen schönen Dienstagabend.♥

14 Kommentare zu „Dienstagabend: Ausgeschlossen im Seminar

  1. Ja das kenne ich… Vielleicht kannst du deine Einsamkeit mit einer anderen Art Weihnachtsfeier beruhigen. Anstatt auf die große Feier zu gehen (wo du dich vielleicht nicht wohl fühlst) kannst du dich nur mit paar Leuten treffen. Dann bilden sich auch keine Gruppen usw. Zb will ich immer was an Silvester unternehmen aber ich mag keine großen Partys. Deswegen feiern wir bei meinem Bruder mit paar Freunden. Wir sind nur 6-8 Leute aber haben trotzdem immer Spaß!

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    1. Ja das klingt auf jeden Fall nach einer guten Alternative! Bei Sylvester geht es mir ähnlich. Und würde ich mich in den Kreis integriert fühlen, wäre das auch eine andere Sache. Ich kümmere mich nur eben selbst nicht darum, weil ein Teil es nicht genug will.

      Viele Grüße!!:)

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  2. Ich weiß irgendwie genau wie du dich fühlst und du hast mich gerade fast perfekt in deinen eigenen worten beschrieben, als würdest du mich besser kennen als ich mich selbst.. :O….das ist einerseits erschreckend… andererseits… keine ahnung.. ich bin wohl nicht allein….

    Ich wünsche dir alles alles liebe

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  3. Ich komme erst so spät dazu, ein paar zeilen hier zu lassen, liebe Mia. Morgen ist mein letzter Arbeisttag für dieses Jahr, dann wird’s besser.

    Ich bin sehr bei Dir, so wie ich einen Platz auf Deinem Anker habe, hast Du auch einen ganz festen Platz in mienem Orbit und in meinem Herzen. – Ich weiß, dass Du Dich manchmal sehr allein fühlst. Aber Du hast „Verwandte“ … 😉

    Ganz, ganz liebe Grüße !!

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  4. Ich klicke mich gerade durch deinen Blog… und stolpere über die Vorweihnachtszeit.
    Für mich ist die irgendwie immer.
    Im Juni feiert eine Kollegin samt Mann den jeweils 50. Geburtstag und ich stehe vor dem gleichen, oben genannten Problem. Einerseits möchte ich gern hin und freue mich über die Einladung. Andererseits – genau das, was du beschrieben hast. Ich habe das Gefühl, nicht dazu zu gehören, alleine zu sein, abseits zu stehen.
    Im September ist ein Wochenende mit allen Arbeitskollegen geplant. Und ich als einzige habe abgesagt – und werde die Stellung im Büro halten. Warum? Ich weiß es auch nicht…
    Ob man damit mal irgendwann klar kommt? Ob ICH damit irgendwann mal zurecht komme?
    Ich hoffe es…

    Liebe Grüße, Anke

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    1. Ja, dieses Gefühl der Unzugehörigkeit kann sich sehr auf das innere Gemüt auswirken und die eigenen Entscheidungen beeinflussen. Die Angst und das Gefühl der EInsamkeit stehen da natürlich im Weg. Manchmal denke ich, es einfach zu versuchen. Noch bin ich nicht am Punkt der tatsächlichen Umsetzung, aber eigentlich wünsche ich mir schon, mich irgendwann genügend integrieren zu können. Du kannst ja überlegen, wie es dir damit ergehen wird. Aber wenn du nicht bereit warst, dann ist das auch eine völlig berechtigte Entscheidung. Schließlich soll man das tun, was einem gut tut!

      Viele liebe Grüße 🙂

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