Ostertage – Horrortage: Essstörung und Ostern vertragen sich nicht

Ich bin wahrlich nicht christlich geprägt und habe Ostern nie groß gefeiert. Doch in diesem Jahr war ich mit meinem Freund über die Ostertage bei seiner Familie. Ganz klassisch wurden Eier bemalt, die Kirche besucht und ein wahrhafter Osterschmaus serviert.

Ich muss zugeben, dass ich Angst hatte. Angst vor der Reise und dem Essen.Es fällt mir schwer, Essen zu essen, welches ich nicht bewusst auswähle. Seine Mama ist eine begnadete Köchin, aber vieles davon fällt mir schwer, in meinen Speiseplan aufzunehmen.

So viel zur Angst. Welche sich natürlich bewahrheitet hat.

Zu höflich, um abzulehnen

Kennt ihr das, wenn ihr zu Besuch seid, und es euch schwer fällt, etwas zu essen, weil es euch zum Beispiel nicht schmeckt? Beim Geschmack hatte ich keine Sorgen, aber bei allem anderen schon.

Das erste Gericht waren Nudeln mit Muscheln und einer vorzüglichen Sauce. Es schien nicht sonderlich ungesund, aber ich bin wohl der einzige Mensch auf Erden, der eine Allergie gegen Miesmuscheln hat. Trotzdem konnte ich nicht ablehnen. Wie lächerlich klingt es, eine Miesmmuschelallergie zu haben? Ich aß also alles auf und plagte mich für den Rest des Tages mit üblem Sodbrennen. Meinem Freund erzählte ich es nicht. Ich wollte nicht, dass er es seiner Mutter erzählt. Denn genauso komisch ist es, etwas zu essen, was man nicht essen kann. Ein positiver Eindruck ist mir eben sehr wichtig. Aber natürlich ist es unglaublich unvernünftig, weil es meiner Gesundheit schadet!

Ungesundes Essen.

Trotz meiner Essstörung habe ich mich noch vor dieser lästigen Krankheit ziemlich gesund ernährt. Das Binge Eating enthält zwar ausschließlich ungesunde Nahrungsmittel, aber im Grunde schmeckt mir frisches Gemüse und viel Obst besser.

Um mich herum stehen jedoch Nusschnecken und Apfeltaschen. Zudem ragen aus der Küche Croissaints und allerlei Backwaren. Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass es mir nicht um die Kalorien gehe – das tut es nämlich. Aber seit einiger Zeit schmecken mir Backwaren nicht mehr so wie früher. Vielleicht liegt es am jahrelangen Verzicht, vielleicht aber hat sich mein Geschmack tatsächlich geändert.

Und dann die Süßigkeiten! Schokolade werde ich immer lieben und die Tatsache, dass Schokohasen überall im Haus verstreut sind, machen die Sache nicht besser. Ich kann gar nicht mehr aufzählen, wie viel Süßes ich in den letzten Tagen gegessen habe. Auch das war nicht gut für meinen Bauch. Denn in Maßen essen fällt mir noch immer schwer. Insbesondere wenn der Suchtfaktor so groß ist.

Das defitge Essen

Mein Körper verträgt würzige Gerichte nicht mehr. Es ist ein bisschen ironisch, weil ich mir sehr deftigem Essen groß geworden bin. Aber ein Sauerbraten mit Knödeln war schon zu viel für meinen Körper. Ich finde es unhöflich nichts mehr zu essen und gleichzeitig unangenehm, die ganze Zeit zu „lügen“.

Ich war sogar allen ernstes so dreist, und habe gestern dem Hund meinen Nachtisch Stück für Stück auf den Boden geworfen. Ich konnte nicht nein sagen, aber konnte nicht einen Bissen mehr essen. Er steht immerhin auf Blätterteig.

Hilft Ehrlichkeit?

Ich weiß, dass alles leichter wäre, wenn ich zugeben würde, welche Allergien ich habe und was mir schwer fällt zu essen. Aber zu dem Geheimnis einer Essstörung gehört meist, sie vor anderen zu verbergen. Gleichzeitig fürchte ich mich davor als Großstadt-Göre abgestempelt zu werden, die vermutlich nur gedämpftes Gemüse und rohen Fisch isst.

Nun ist jedoch bald die Osterzeit vorbei. Und ähnlich wie an Weihnachten bin ich danach relativ erleichtert, dass ein Ende genommen hat. Trotzdem ist es schade, dass ich auf so viel Lebensqualität verzichten muss. Ich versuche mir keine Selbstvorwürfe zu machen, aber manchmal bin ich schon ziemlich sauer auf mich selbst.

Jedem einzelnen, dem es an Feiertagen mit dem Essen auch schwer fällt, wünsche ich ganz viel Kraft! Allen anderen wünsche ich einen frohen Genuss und überhaupt ein paar angenehme Feiertage! ♥

9 Kommentare zu „Ostertage – Horrortage: Essstörung und Ostern vertragen sich nicht

  1. Wenn ich das so lese, dann beschleicht mich ein Gefühl des Hin- und Hergerissenseins, wahrscheinlich gar nicht so unähnlich dem, dass Dich in der Realität vor allem von Feiertagen so sehr beschäftigt.

    Ich weiß nicht, ob die “ Lösung“ in einer Art Kompromiss liegen könnte. Miesmuscheln zum Beispiel hätte ich ablehnen MÜSSEN. Die gehen für mich gar nicht. Dafür wäre dann vielleicht ein anderer Gang des Essens ein bisschen besser zu verschmerzen.

    Ein bisschen betrübt mich, dass es Dir so sehr Sorgen bereitet als “ Großstadtgöre“ zu gelten, nur weil Du mit dem Essen halt so Deine Probleme hast. Es ist eine sehr persönliche Bemerkung, aber ich hoffe und wünschte mir für Dich, dass Dein Freund doch Verständnis für Dich haben und Dich auch unterstützen sollte. Zumal Du Deine Essstörung ja nicht einfach zur Kenntnis nimmst, sondern Dich sehr engagiert und Dich auch selbst fordernd damit auseinandersetzt.

    Ich weiß allerdings selbst, dass die eigene Verwandtschaft oft viel weniger zuzuhören und zu verstehen bereit ist als Menschen, mit denen ich nicht auf diese Weise “ verbandelt“ bin. Das ist und bleibt dann oft schwer, und, das gebe ich für mich zu, ich habe mich dann durchaus schon bewusst auf Rückzug begeben, weil es für mich keinen Sinn macht mich beständig dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich halt auf Dinge bezogen anders bin als es “ normal “ ist.

    Ich wünsche mir für Dich, liebe Mia, dass Dich die “ Esseindrücke“ der Feiertage nicht zu sehr beschäftigen, Du deshalb zu sehr mit Dir hardest. Ich wünsche Dir die Energie, dass zu tun, zu essen, was Du für Dich mit Blick auf so viel Lebensqualität als möglich, für notwendig und richtig hältst. Nach allem, was ich bislang von Dir insoweit gelesen habe, ist mein Vertrauen in Dich diesbezüglich ebenso groß wie in den Menschen Mia überhaupt. Und das ist SEHR GROß.

    Von ganzem Herzen liebe Grüße an Dich! 🐇❤

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    1. Lieber sternfluesterer,
      Du hast vollkommen recht! Aber irgendwie haben ihre Bemühungen extra als Anlass für mich – dem Gast – nicht zulassen können, dass ich einfach so ablehne. Es war auch mehr ein Experiment, nach dem Motto: Hmm, mal sehen, ob ich inzwischen nicht doch vertrage…leider tat ich das nicht.

      Bei meiner Essstörung fällt mir das „unerlaubte“ Essen jedoch so schwer, dass ich selbst ein unverträgliches Gericht vorziehen würde. Ich weiß, wie „krass“ es klingt, aber diese Störung ist eben auch fern des gesunden Menschenverstandes.

      Deine Wünsche nehme ich mir sehr zu Herzen und ich hoffe, dass sie eines Tages wahr werden! 🍀

      Ganz liebe Grüße! ❤️🐰

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  2. Hey! Das tut mir wirklich leid für dich. Ich kenn das nur zu gut, dass man richtige Angst vor bestimmten Lebensmitteln hat oder vor den Mengen… An Feiertagen ist es natürlich immer schlimm. Gerade mit der Schokolade überall, damit komme ich noch gar nicht klar. Aber man muss ja auch kleine Schritte machen! Ich finde es aber gut, dass du es dennoch gegessen hast! Schlechter wäre es ja gewesen, es ganz zu vermeiden. Der nächste Schritt wäre es ja dann, die Portionsgröße zu kontrollieren. Das ist natürlich schwierig mit einer Essstöeung… aber ich finde du solltest stolz auf dich sein und es andersherum sehen: Besser alles annehmen als alles abzulehnen! Ich benutze meine (tatsächlichen) Allergien nämlich auch ab und zu, um etwas nicjt essen zu müssen, das mir einfach nur wegen meiner Essstörung Probleme bereitet. Das kann ja auch nicjt die Lösung sein.

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    1. Danke für deine liebe Anteilnahme!:) Ich habe manchmal Angst, aufgrund meiner vielen wirklich echten Allergien als Lügnerin zu gelten, weil es bei mir so ungewöhnlich ist. Aber da spricht zum großen Teil auch die Paranoia und Angst, „entlarvt“ zu werden…
      Ganz liebe Grüße!!

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  3. Liebe Mia! Mich beeindruckt die Klarheit, mit der Du Dein Essproblem beschreibst. Ich lese keine Vorwürfe an die Anderen(die ja wirklich sein dürfen wie sie sind). Auch der Versuch, Dir nichts vorzuwerfen fühlt sich versöhnlich mit Dir selbst an. Alles Liebe und Gute, Frohe Ostern! Die Gärtnerin mit dem grünen Daumen.

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  4. Oh, wie gut ich das kenne! Ich habe schon so oft Dinge gegessen, die ich nicht wollte, sei es Essstörungsbedingt gewesen oder aufgrund anderer Dinge.

    Vor allem bei den Mengen hab ich da Probleme. Ich hab immer wieder das Gefühl, dass ich in Gesellschaft immer so viel esse wie von mir erwartet wird. Auf meinen eigenen Hunger oder meine Sättigung höre ich da kaum.

    Alles Liebe
    Julia

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