Warum geht es immer nur ums Essen?

In meinem Alter gibt es drei große Gesprächsthemen: Das Reden über Alkohol, das Reden über Partys und das Reden über Essen. In den beiden ersten kenne ich mich ehrlich gesagt nicht so gut aus. In letzterem allerdings schon. Jedoch fällt es mir immer schwerer, über dieses Thema zu diskutieren.

Brauchst du ein Gesprächsthema? Dann rede über Essen!

Erzähle über den neuen Burger Laden um die Ecke. Entweder das Gegenüber liebt Burger und stimmt sofort zu, oder aber mag keine, aber dafür Pizza oder etwas anderes. Ihr redet und redet und wechselt vom  Essen ins nächste Essen. Gespräche über das Essen verbinden. Denn schließlich essen wir alle!

Sie führen auch gerne mal in einen Konkurrenzkampf. „Lakritze ist voll eklig, aber Marzipan ist toll!“ „Wie kann man Schokososinen Schokobons vorziehen?“

Oder die Steigerung vom Essen. „Saure Würmer sind lecker und Oreos sind erst recht der Hammer. Aber Knoppers sind der Wahnsinn! Und kennt ihr schon das Bueno Eis? Es schmeckt wie eine Offenbarung.“

Nicht selten folgt das Gespräch mit diesem Satz: „Jetzt habe ich Hunger!“

Welche Konsequenz hat das Reden über Essen?

1. Du bekommst Heißhunger. Früher oder später packt dich der Heißhunger nach Schokolade, Kuchen, oder vielleicht Chips. In der Öffentlichkeit lässt sich der Drang natürlich nicht in die Praxis umsetzen, aber alleine im seinen eigenen vier Wänden schon. Bei mir jedenfalls.

2. Das Reden über Essen ist selbstverständlich sehr lehrreich. Mit Menschen über vegane Ernährung zu sprechen, bildet ein anschauliches Bild über den Lebensstil. Ich würde es gar nicht als negativen Punkt ansehen, aber bei der Recherche über die Low Carb Ernährung und ihrer  Umsetzung folgte beispielsweise bei mir ein ungesundes Essverhalten.

3. Wenn es ums Essen geht, dann auch um die Kalorien. Früher oder später werden die Kalorien der Nahrung ins Leben gerufen. Frauen sowie Männer sind heutzutage auch ohne eine Essstörung bestens informiert. Meine Freunde, die „Pumper“, wissen teilweise mehr über Kalorien als ich. Aber diese zerstören alles. Kann man einen Muffin noch guten Gewissens essen, wenn man weiß, wie viele Kalorien er enthält? Einige lässt das zum Glück völlig kalt, aber viele verzichten bewusst darauf.

Reden über Essen, aber nicht essen?

Zu Beginn meiner Essstörung war ich mit Freunden im Urlaub und mir meiner Essstörung nicht im geringsten bewusst. Eine Freundin jedoch fand es merkwürdig, ständig über Essen zu sprechen, aber selbst nichts zu essen. Ich wusste, dass mich damit meinte, weil ich unentwegt über Essen sprach, aber kaum etwas aß. Damals war ich sehr beleidigt und verletzt, heute weiß ich, dass sie recht hatte. Natürlich ist es nicht immer der Fall, aber ein typisches Anzeichen für eine Essstörung ist, viel über Essen zu reden, aber selbst nichts zu essen.

Trotz Essstörung über Essen reden

Heute ist das Reden über das Essen eine große Last für mich. Viele Gerichte kann ich aus verschiedenen Gründen nicht mehr essen (z.T, weil ich meinen Magen ziemlich zerstört habe) und außerdem stört mich das ständige Reden darüber. Sich vom Essen zu distanzieren funktioniert nicht, wenn alle wichtigen Gesprächsthemen sich darum drehen.

Ich weiß nicht, ob es euch so ähnlich ergeht, oder ich einfach nur durch einen unglücklichen Zufall an jene Menschen geraten bin, die sich gerne über das Essen unterhalten.

Aber da ich in diesem Beitrag schon gefühlt 100 Mal das Wort Essen verwendet habe, mache ich mal hier einen Punkt! Ich hoffe, dass mein Fazit verständlich war. Wenn nicht, dann nochmal hier: Reden über Essen nervt! ♥

 

13 Kommentare zu „Warum geht es immer nur ums Essen?

  1. Ich kann nur versuchen, mir vorzustellen, wie belastend das für dich sein muss… Da versucht man, sich abzulenken und dann reden die anderen ständig darüber…. Fühl dich gedrückt!

    Ich weiß jetzt nicht, ob das für dich eher tröstlich ist oder nicht, aber in meinem Alter schwenken die Themen dann ein bisschen. Zum Beruf, Hauskauf, Heiraten und zu Kindern oder Kinderplanung…
    Hier kommen dann die gesellschaftlichen Erwartungen dazu und wenn man da auch nur ein bisschen Unsicherheit in der einen oder anderen Richtung äußert, fangen die Missionierungsversuche an…

    Irgendwie muss man schon, wenn es um vermeintlich harmlosen Smalltalk geht, lernen, klare Grenzen zu setzen und das Thema unauffällig in andere Richtungen zu lenken…

    Dass das immer alles so anstrengend sein muss…

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    1. Doch, irgendwie ist es doch tröstlich:) Ich denke oft, dass es mit meinen momentanen Einflüssen zusammenhängt und ich mich imme seltener dort wohl fühle. Gesellschaftliche Erwartungen sind natürlich auch ein ganz großer Punkt, der belastend sein kann, aber wie du schon sagtest, wäre es schön, wenn unter ihnen Grenzen festgsetzt wären!

      Liebe Grüße<3

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  2. In meinem Freundeskreis dreht sich nicht alles ums Essen. Aber auch nicht um Partys oder Alkohol. Aber das kommt sicher auch drauf an, wo du lebst und was für einen Freundeskreis du hast und vielleicht auch, in welchem Alter du bist und in welches Lebensphase. Natürlich spricht man auch übers Essen. Es kann natürlich auch sein, dass man mehr übers Essen spricht, als ich es subjektiv wahrnehme. Ich frage mich manchmal (auch), wie man mit so Themen, über die man immer wieder spricht im Freundeskreis oder allgemein, und wo man dann irgendwie nie richtig zu einem Ergebnis kommt, umgehen kann. Also habe sowieso recht Mühe mit Smalltalk-Gesprächen und ich versuche halt z.B., nicht zu lange an einem Fest zu bleiben oder nicht zu lange in Gesprächsrunden zu verweilen. Ich habe längere Zeit gedacht, man muss sich ja schliesslich anpassen an den Smalltalk und über was man so redet. Aber ich finde jetzt, mir muss es ja auch wohl sein. So versuche ich mich mehr tieferen Themen zu widmen, wo ich auch das Gefühl habe, es bringt was, wenn ich mich damit beschäftige und es macht einen Sinn. Was ich bei vielen Smalltalk-Themen überhaupt nicht habe. Dort habe ich eher ein schlechtes Gewissen, weil ich irgendwie die Zeit unnütz vertan habe.

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    1. Ja, es hängt sicher mit dem Freundeskreis und der Lebenssituation zusammen. Prägnant sind bei mir definitiv diese drei Themen, die den Smalltalk vereinen. Natürlich muss man sich nicht immer zwanghaft anpassen, aber üblicher Smalltalk bildet leider oft die erste Konversation..

      Liebe Grüße!

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  3. Liebe Mia,

    ich bin ein schlechter Smalltalker, und ich habe einen nur sehr kleinen wirklichen Freundeskreis. Was nicht nur mutmaßlich damit zu tun hat, dass ich eine ganze Portion „außerirdisch“ bin, lies: nicht so ganz von dieser Welt.

    Aber das weißt Du ja schon. 😉

    Dazu gehört nun freilich, dass mir Themen wie Alkohol und Parties so gar nichts und Essen bestenfalls mal aus wirklich gegebenem Anlass etwas bedeutet/n.

    Wahrscheinlich bin ich davon ausgehend nicht der einzige von uns zweien :), dem allerdings unendlich viele andere Themen einfallen, über die ich mich problemlos unterhalten können würde, zumal mit einem vetrauten, liebenswerten und so vielseitig interessierten Menschen wie Dir.

    Das hilft Dir jetzt nicht besonders viel, aber es mag unterstreichen, wie sehr ich Dich und Dein hier dargestelltes Problem verstehe.

    Ich sitze selbst ein ums andere Mal sprach- und stimmlos in entsprechenden Runden … *tiefseufz* (freilich kaum freiwillig).

    Ganz, ganz liebe und so was von verständnisvolle Grüße an Dich!!! ❤

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    1. Deine verständnisvollen Grüße kommen mir sehr gelegen, lieber besonderer und ganz und gar nicht außerirdischer (allerhöchstens einzigartiger) sternfluesterer 😉

      Smalltalk ist für mich auch eine große Herausforderung, insbesondere bei diesen drei Themen, die immer den Einstieg bilden! Aber ohne Smalltalk geht es vermutlich gar nicht…das Reden über Gott und die Welt bildet nur selten den Einstieg in ein Gespräch!

      Ganz liebe Grüße dir und deinem Rücken! ❤️

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  4. Liebe Mia, ich glaube es liegt auch daran, ob man eben „Frieden mit dem Essen“ geschlossen hat oder noch nicht. Es gibt z.B. in meinem Kreis Personen die von Rezepten etc. Erzählen weil sie es als gut empfunden haben. Das finde ich in Ordnung, sobald aber das Thema in Richtung Diät/Lifestyle geht bekomm ich einen riesen Anfall. Ich empfinde es als falsch, Diät ist für mich absoluter Stress. Die Auferlegten „Glaubenssätze“ von anderen Menschen sind pures Gift für meine Gedanken.

    Ich habe irgendwie gelernt abzuschalten wenn diese Themen im Raum stehen, zu sagen, dass es mich stört traue ich mich noch nicht. Im übrigen, hat auch mein Magen Probleme mit diversen Gerichten – ich esse sie trotzdem 😅. Ich hoffe du findest ein Mittelmaß in diesen Gesprächen für dich, ansonsten kannst du ja über das Wetter reden;) alles Liebe ♡

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    1. Das Abschalten würde ich auch so gerne! Aber bei mir ist es genau das Gegenteil, dass meine Ohren sich vergrößern und ich bewusst alles höre. Manchmal will ich sie korrigieren, wenn sie was falsches sagen, aber dann bleibe ich doch still, um nicht aufzufallen!

      Ich stimme dir jedoch auch zu, dass es darauf ankommt, in welchem Kontext man das Essen bespricht!

      Liebe Grüße! ❤️

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  5. Ich schließe mich dem Kommentar von kamikazente total an! Das erste, an was ich nämlich gedacht habe, als ich den Artikel gelesen habe war, dass man immer mehr mit Essen (psychisch) beschäftigt ist, je mehr der Körper (physisch) verlangt! Bei dem ganzen Diät-Wahn ist es kein Wunder, dass man immer wieder zum selben Thema zurückkehrt. Ich glaube viele Leute wissen es zwar nicht, aber sind (unbewusst) leicht essgestört.

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  6. Mit deinen Gedanken zu diesem Thema kann ich meine unheimlich gut identifizieren.
    Auch wenn wir wohl nicht das gleiche Alter haben, merke ich, wie (mir) auch in meinem Umfeld zum Beispiel Fragen wie „Was isst du da, ist das ein Apfel?“ gestellt werden. Schon aus Prinzip kann ich die Frage nicht ernsthaft beantworten. Und überhaupt – Wieso müssen Menschen einander beim Essen anstarren und die Nahrung Anderer so analysieren? Ich werde schon nicht davon vergiftet, sodass sie doch keine Rekronstruktion des Moments zur Nachvollziehung des Sachverhalts aufstellen müssen.

    Und dann werden ständig bewertende Kommentare zu der Figur Anderer abgegeben. Was soll das? Sie haben doch nicht nach einer Beurteilung gefragt. Und selbst wenn, worauf begründet könne man sich eine solche erlauben?
    Ich muss sogar sagen, dass ich mich von einer ‚Freundin‘ (wie auch immer), distanziert habe, gerade weil ich momentan einfach nicht damit umgehen kann/konnte, dass sie ständig über die perfekte Figur und die perfekte Ernährung geredet hat.

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