Essen aus Langeweile – Auslöser für Essanfälle #4

Ein Hauptbestandteil des Binge Eating sind Heißhungerattacken und Essanfälle. Sie alle haben einen Auslöser. Ich möchte mit euch eine weitere Rubrik teilen: das Essen aus Langeweile.

Es mag im ersten Moment etwas komisch erscheinen, aus reiner Langeweile die Kontrolle verlieren, und so viel zu essen, dass einem schlecht wird. Aber genau dem war bei mir so.

Wir alle kennen das unbefriedigende Gefühl von Langeweile. Wir erleben es sowohl wenn wir was tun, als auch, wenn wir nichts tun. Wir können einen Film langweilig finden oder gar einen Menschen.

Ich kenne viele, die an der Bushaltestelle rauchen, um die Wartezeit – und die Langeweile – zu verkürzen. Ich kenne viele, die in der Bahn Musik hören und sagen, dass ihnen ohne Musik was fehlt. Weil dann Langeweile eintritt?

Essen aus Langweile

Ich weiß nicht, wann ich damit anfing Langeweile zu verabscheuen. Vermutlich brach es erst während des Studiums aus, als ich immer etwas zu tun hatte und in den Semesterferien plötzliches nicht mehr wusste, was ich in meiner Freizeit tun sollte. Ich verabredete mich mit meinen FreundInnen, ging raus und tat alles, um keine Langeweile zu bekommen.

Wenn mich die Langeweile doch packte, dann ging ich oftmals in die Küche und bediente mich an einem Snack. Mal war es was kleines, mal was großes. Aber immer war es Essen, das mein Körper nicht brauchte. Ich aß, weil ich nichts besseres zu tun hatte. Ich aß aus Langeweile. Ich aß und konnte nicht mehr aufhören.

Irgendwann mied ich die Langeweile. Ich fürchtete sie und belegte zusätzliche Arbeitsschichten. Ich traf mich mit FreundInnen, obwohl ich keine Lust hatte. Langeweile bedeutete für mich einen Essanfall zu haben.

Ein anderes Ventil für die Langeweile

Wie bei jedem Auslöser für einen Essanfall musste ich irgendwann ein neues Ventil finden. Ich fing wieder an zu lesen, zu puzzlen, etwas umzuräumen und wenn überhaupt, dann nur eine Tasse Tee zu trinken. Wenn es gar nicht ging, dann entfernte ich mich aus meinem Langeweilezustand und fuhr eine Weile mit dem Fahrrad. Ich stresste mich nicht und gab mir die Zeit, die ich brauchte. Irgendwann langweilte ich mich, ohne sofort an das Essen zu denken.

Innere Wunden heilen

Aber wie ihr wisst, lässt sich eine Essstörung nicht nur durch ein Ventil lösen. Zunächst müssen die inneren Wunden erkannt und geheilt werden. Angst, Verlust, Wut,….Denn ohne diese bedarf es auch gar kein Bedarf nach einem Ventil!

So viel also zu der Langeweile. Sie hat zwar einen lahmen Namen, aber sie ist für die ein oder andere psychische Krankheit sehr toxisch.

Im Übrigen finde ich es mittlerweile sogar „schön“, Langeweile zu haben. In Momenten wie diesen schalte ich ab und komme zu vielen neuen inspirierenden Gedanken.

Wie empfindet ihr die Langeweile? Kennt ihr ihre Kehrseiten? Lässt sie euch kalt? Teilt  gerne eure Meinungen mit mir 🙂

Habt ein schönes Wochenende!♥

 

 

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13 Kommentare zu „Essen aus Langeweile – Auslöser für Essanfälle #4

  1. Bei mir verführt Langweile auch zum Naschen. Richtiges Bingeeating kenne ich nicht. Übergewicht habe ich trotzdem. Ich habe in den letzten Jahren voller Stress und Unglück oft mit Essen den Motor am Laufen gehalten. Ich hatte in dieser Zeit jedes Körpergefühl verloren und finde es – wie ein gesundes Essvethalten – erst so langsam wieder. 🌈

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    1. Ja, Stress und weitere starke Emotionen verleiten schnell dazu zu naschen. Man denkt sich oft nichts dabei, weil es ja keine Droge im herkömmlichen Sinne ist…aber deshalb ist sie nicht weniger „gefährlich“.
      Hoffentlich findest du nach und nach zu deinem Körpergefühl zurück!

      Liebe Grüße!

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  2. Essen aus Langeweile? Ich erinnere mich, als Kind kam das öfters vor. Obwohl ich damit eher das Loch stopfte, ungewollt und ungeliebt zu sein.
    Essen aus Streß? Schön wäre es … Dann wäre ich nicht untergewichtig. Streß, Kummer etc. sorgen bei mir für Appetitlosigkeit und das Essen ausfällt. Im heutigen Zustand ein absolutes No – Go!
    Ich habe keine Langeweile. Ich genieße jeden Moment, auch die, nichts zu tun. Auch wenn ich das erst lernen musste. Nichts tun ist nicht faul und unnütz, sondern wichtig und gut.
    Seit 2 Jahren kann ich das. Ich kann sogar den Haushalt ausblenden und auf dem Sofa liegen und lesen oder einfach nur chillen … 😁
    Ob dieses und jenes nicht langweilig sei, eine häufige Frage. Wenn es mich langweilen würde, würde ich es nicht machen, so meine Antwort.

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  3. Da kam letztens eine Doku im TV, in der gab es die Hypothese, dass Menschen die sich gezwungenermaßen langweilen, oft kreativer werden und wenn es dann ihnen darauf ankommt, konzentrierter sind. Interessant war auch ein Experiment in dem Menschen 15 Minuten einfach nur so da sitzen sollten und nichts tun. Einzige Möglichkeit etwas zu tun war, selbst einen Auslöser zu drücken, der einem einen schmerzhaften Elektroschock verpasst. Viele haben dies aus lauter Langeweile auch getan, manche sogar mehrfach. Langeweile kann also durchaus bewusst schädliches Verhalten fördern. Ob essen, rauchen, oder sich Schmerz zufügen. LG

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  4. Ich habe auch ein Problem mit der Langeweile.
    Wenn ich meine Tage inhaltlich nicht strukturieren kann, dann esse ich in Leerlaufzeiten. Ohne Hunger. Meist sogar ohne Appetit. Sondern einfach nur um etwas zu tun. Beschäftigt zu sein.

    Manchmal auch, um den Gedanken und Gefühlen die in der Zeit aufkommen, keinen Raum zu geben. Alles wegdrücken, was nur geht. Und indem ich Essen in mich hineinstopfe, stopfe ich alles andere auch weiter hinunter.

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  5. Ich hasse Langeweile! Aber eigentlich hab ich nur Langeweile auf der Arbeit und dann kann ich überhaupt nichts dagegen tun. Ich muss meine Stunden oft absitzen und beschäftigt aussehen, das ist sehr anstrengend. Leider kann ich dann nicht einfach lesen oder so… Daheim hab ich nie Langeweile, da sind tausend Sachen, die mir gefallen und mit denen ich mich beschäftigen kann 🙂

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