„Irgendwann werde ich eine Diät machen müssen“ – mein Grundgedanke in der Jugend

Eine Essstörung entsteht nicht über Nacht und hat viele Wurzeln, die oftmals unter vielen Jahren verborgen liegen. Ich teile mit euch einen Grundgedanken meiner Jugend, der meine Essstörung beeinflusste.

Diäten…Ihr wisst, was ich von diesem Konzept halte. Ich spreche darüber hier oder hier. Nun folgt ein weiterer Beitrag darüber, diesmal jedoch einer, der sich schon in der Jugend in meinen Kopf einbrannte.

„Du kannst in dem Alter noch essen, was du willst!“

Diesen Satz hörte ich von etlichen Menschen –  wenn ich meinen dritten Cheeseburger aß oder extra Sahne zu meinem Eis bestellte.

Der Satz kam immer von älteren Menschen. Meistens waren es Frauen, aber manchmal auch Männer. Jene Menschen waren nicht übermäßig dick oder sahen so aus, als wären sie auf einer Dauerdiät. Damals dachte ich, dass ich mir nicht viel aus diesen Floskeln machte. Manchmal fühlte ich mich sogar bestätigt darin so viel essen zu können, was ich wollte. Aber still und heimlich schlich sich ein leiser Gedanke in meinem Kopf.

Irgendwann würde ich nicht mehr all das essen können, was ich will.

Mit dem Satz, ein bestimmtes Alter haben zu müssen, um noch „alles“ essen zu können, stieg zeitgleich auch die Erkenntnis, dass es irgendwann anders sein würde. Mit der Zeit erfuhr ich von dem Stoffwechsel, der sich mit der Zeit verlangsamte und dass Frauen nach einer Schwangerschaft oft das zugelegte Gewicht nicht mehr loswurden. Und da meine Familie mütterlicherseits seit Generationen mit Übergewicht zu kämpfen hat, dachte ich, dass ich mit meiner schlaksige und schlanken Figur irgendwann dick sein würde. Aber das wollte ich nicht. Daher brannte sich der nächste Gedanke in meinen Kopf:

Irgendwann würde ich eine Diät machen müssen.

Da ich in einem Haushalt aufwuchs, in dem seit ich denken kann immer Diäten betrieben wurde, hielt ich es für die Norm. Auch sonst hörte ich es von vielen Frauen – den Müttern meiner FreundInnen, oder sogar meinen ErzieherInnen oder LehrerInnen. Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir keine Frau aus meiner Kindheit ein, die nicht auf Diät war oder bewusst auf den Geburtstagskuchen verzichtete.

Kinder sollten ohne den Druck von Diäten und Idealen aufwachsen.

Ich weiß, dass das aus der Sicht einer Person, die noch keine Kinder hat, etwas überheblich klingen mag. Aber ich rede hier aus der Sicht eines Kindes, das unbewusst viele Grundgedanken und vermeintliche Komplimente verinnerlichte und aus heutiger Sicht sagen kann, dass dies eine weitere Wurzel für die spätere Essstörung war.

Falls euch das Thema interessiert: Hier ein älterer Beitrag – 5 Gründe, warum ich kein Fan von Diäten bin!

Auch hier: Neues Jahr, neues Glück? Warum ich ein Problem mit Diät- und Fitness Vorsätzen habe

 

8 Kommentare zu „„Irgendwann werde ich eine Diät machen müssen“ – mein Grundgedanke in der Jugend

  1. Oh ja, du hast mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen! Es ist ja bekannt, dass in meiner Familie immer Diäten zelebriert wurden – zwar nicht von meiner Mutter, aber von meinem Vater. Meine (sehr dünne) Mutter wurde immer von allen bewundert, auch von meinen Klassenkameraden z. B., deren Mütter alle übergewichtig waren. Dann fielen auch Worte wie „wie kann eine solche Mutter so eine Tochter haben?!“ Das wurde mir auch von meinem Vater immer vorgehalten, dass ich nicht so war wie „seine A.“. Meine Oma schlug in die gleiche Kerbe, sie nahm mir das Essen weg, als ich klein war (ca. 8-10 Jahre) und sagte „man soll mit dem Essen aufhören, wenn es am besten schmeckt!“ Ich hatte aber noch Hunger, war damals auch ein richtiger Wildfang, immer in Bewegung, machte gerne Sport. Zur Folge hatte das, dass ich mein Taschengeld für Essen ausgab, weil ich immer Hunger hatte, total gestört das alles…

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