Warum eine Essstörung nicht „den einen“ Heilungsweg hat

Manchmal bekomme ich E-Mails oder Nachrichten auf Instagram, in denen mich Betroffene fragen, wie sie wieder gesund werden können. Für mich ist diese Frage immer besonders schwer zu beantworten, weil eine Essstörung sehr individuell ist und nicht den einen Heilungsweg hat.

Ich suchte früher auch nur nach „dem einen“ Weg! 

Zu Beginn meiner Essstörung recherchierte ich im Internet nach Tipps, um meine Essanfälle wieder in den Griff zu bekommen. Da stand was von viel Trinken und langsam essen, aber es half nie. Eine Essstörung ist nicht wie eine offene Wunde, die man von außen pflegen muss. Sie ist psychisch bedingt und bedarf demnach seelische Heilung.

Zu Beginn meiner Therapie dachte ich nämlich auch, dass sie mir helfen würde mein Essverhalten zu „normalisieren“. Ich war sichtlich überrascht, als meine Therapeutin plötzlich anfing mich über meine Kindheit auszufragen oder warum es mir schwer viel Emotionen, wie das Weinen vor anderen zuzulassen. Was hatte das mit meiner Essstörung zu tun, fragte ich mich. ALLES, wie ich später erfuhr.

Essstörungen haben viele Parallelen – aber sie sind nicht gleich! 

Oft kann ich mich mit Betroffenen einer Essstörung sehr gut identifizieren, weil wir ähnliches durchleben und empfinden. Doch trotz gemeinsamer Diagnose verlaufen unsere Leben unterschiedlich und damit auch unsere Ursachen.

In meinem Fall hat meine konservative Erziehung eine gravierende Rolle für den Ausbruch meiner Essstörung gespielt. Mein Selbstwert wurde unter anderem dadurch und durch andere traumatisierende Erlebnisse geprägt. Bis zu meinem 20. Lebensjahr hatte ich kaum ein Problem mit dem Essen oder meinem Körperbild, aber irgendwann war meine Seele so vernarbt, dass sie in eine psychische Krankheit ausbrach – eine Essstörung.

Das war mein Weg zur Essstörung, „ein“ Weg wohlgemerkt und nicht „der“ Weg. Er war individuell und erforderte auch einen individuellen Heilungsprozess.

Ich kann euch nur meinen Heilungsweg zeigen, nicht „den einen“! 

Da ich bloß „Erfahrungsexpertin“ und keine ausgebildete Person im Bereich Essstörung bin, kann ich euch nur von meiner Erfahrung berichten und hoffen, dass ihr damit etwas anfangen könnt. Leider gibt es nicht „den einen“ Weg, daher gibt es auch nicht „den einen“ Tipp, um eine Essstörung in den Griff zu kriegen.

Aber was ich euch sagen kann, ist folgendes: 

Redet mit jemandem darüber! Alleine schafft ihr es nicht raus!

Seid offen für psychologische Hilfe! Sträubt euch nicht vor einer Klinik oder einer Psychotherapie. Sie kann euch helfen!

Redet mit Betroffenen! Sie verstehen euch am besten und verurteilen euch nicht!

Seid euch bewusst gesund werden zu wollen! Manchmal braucht es eine Weile, um an diesen Punkt zu gelangen, aber nur wenn ihr die Gesundheit an oberster Stelle stellt, könnt ihr es wirklich da raus schaffen!

Was ist eure Meinung dazu? Glaubt ihr daran, dass es „den einen“ Tipp gibt? Wenn ja, dann immer her damit! 😀

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5 Kommentare zu „Warum eine Essstörung nicht „den einen“ Heilungsweg hat

  1. Du hast absolut recht – mit allem.
    Ich bin verblüfft, weil es bei mir mit dem Weinen ähnlich war. Meine Essstörung war ja Esssucht ohne Regulierungsmaßnahmen, also kein Erbrechen (hab ich mal versucht, klappte nicht, war auch gut so).
    Auch ich kann nur raten, sich professionelle psychologische Hilfe zu suchen. Eine vertraute Person an der Seite zum Reden und Ausheulen kann helfen, reicht alleine aber irgendwann nicht aus. Außerdem kann es für den vertrauten Menschen auch sehr anstrengend und belastend sein. In der Rolle war ich auch schon und ich musste mich dann zum Selbstschutz zurückziehen und von der Freundschaft verabschieden.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Kommentar! Ich stimme dir nur zu, dass es wichtig ist eine Vertrauensperson hinzuzuziehen. Vertraute Menschen, die diese Probleme nicht kennen, sind oftmals überfordert, egal, wie sehr sie helfen wollen!

      Liebe Grüße!

      Liken

      1. Nichts anderes meinte ich. Eine vertraute Person zu haben, die diese Probleme kennt, ist ja ein Sechser im Lotto. Alle mir bekannten Personen mit Essstörungen hatten solche Leute erst, als sie sich professionelle Hilfe gesucht hatten und in eine Selbsthilfegruppe oder Therapie, Klinik kamen. Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

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