„Sind dicke Menschen für ihr Aussehen selbst schuld?“

Der Titel dieses Beitrags ist sehr hart und provokant -dafür entschuldige ich mich schon im Voraus. Natürlich empfinde ich nicht auch nur ansatzweise so. Aber scheinbar tun es viele andere…

Mein Freundeskreis…

Meine Freundin sagte vor einiger Zeit etwas, was mir seit jeder nicht aus dem Kopf geht.

Sie hat einen sehr netten Kumpel, bei den es momentan leider nicht so rund läuft. Die Uni belastet ihn und er fühlt sich einsam, weil er momentan keine Beziehung hat.

Nun zu dem Gespräch mit meiner Freundin: Wir sprachen darüber, ob es nicht irgendeinen Mann in unserem Umfeld gab, mit dem wir ihn verkuppeln konnten (er mag Männer, das macht es ihm in unserer Gesellschaft noch schwerer). Aber leider stellten wir fest, dass die meisten unserer Kandidaten sehr viel Wert auf das Äußere legten.

Er selbst ist etwas übergewichtig und hat starke Akne im Gesicht. Seit langer Zeit versucht er immer wieder zum Sport zu gehen, doch wenn seine Freunde ihn auffordern, kann er sich nicht motivieren.

„Sind dicke Menschen für ihr Aussehen selbst schuld?“

Die Worte meiner Freundin schockierten mich: „Er jammert immer darüber, dass er endlich mit dem Sport anfangen will, aber dann macht er es ja doch nicht. Wie soll er jemanden finden, wenn er es nie durchzieht?“

Mir fiel ungelogen die Kinnlade hinunter. Ich sagte etwas säuerlich, dass das Aussehen ja nicht das Wichtigste sei. Etwas geschockt von meinem Tonfall, versuchte sie sich rauszureden. Aber ihre Worte konnten nicht rückgängig gemacht werden.

Denn laut ihrer Aussage war er selbst dafür verantwortlich, dass er keinen Partner hatte, und das, weil er übergewichtig war und nichts aus sich machte.

Sie sagte ebenfalls, dass ein athletischer Körper, sowie ein ästhetisches Erscheinungsbild der Schlüssel für eine Partnerschaft war.

Die Gleichung ist doch immer dieselbe: Aussehen=Erfolg

Was sagt es mir, dass ein wichtiger Mensch in meinem Umkreis so über Menschen denkt? Es sagt mir, dass dieser Mensch mir auf irgendeine Weise nicht gut tut. Denn wenn sich Meinungen in so wichtigen Vorstellungen spalten – wie kann man dann überhaupt befreundet sein?

Ist das übertrieben von mir? Vielleicht…

Warum denkt sie so?

Ich schreibe nun zum dritten Mal über jene Freundin, von der ich mich nach und nach entferne. Zuletzt hatte ich sie in meinem Beitrag „Was bedeutet Freundschaft“ erwähnt, als ich darüber schrieb, wie wenig Rücksicht sie auf meine Essstörung nimmt und das Thema so gesehen totschweigt. Wir entfernen uns immer mehr voneinander und das ist irgendwie schade.

Das schlimmste ist, dass ich diejenige bin, die sich verändert hat. Ich kann ihr keinen Vorwurf machen, weil sie  schon immer so war. Vor einigen Jahren hätte ich diesen Kommentar vermutlich nicht mal wahrgenommen. Vielleicht war ich ja auch so, ich erinnere mich nicht mehr. All das Wissen, das ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe, hat mich in heutigen Zeiten sensibilisiert. Und ich kann es nicht abschalten.

Schluss mit der Oberflächlichkeit!

Ich wünsche ich mir, dass noch so viele andere sich das Bewusstsein für ihre Worte schaffen und was sie eigentlich bedeuten. Worte können eine Menge anrichten. Sie können in psychischen Krankheiten ausarten.

Warum versuchen wir nicht die Optik in den Hintergrund zu stellen und eine Person nach ihrem Charakter oder ihren Taten zu bewerten? Wären wir damit nicht viel glücklicher? Oder liegt es in unserer Natur, uns gegenseitig auszugrenzen und zu kategorisieren?

Ich hoffe nicht!

Mit diesem Hoffnungsschimmer verabschiede ich mich.

Genießt euren Tag! ♥

Foto gefunden auf unsplash.com

17 Kommentare zu „„Sind dicke Menschen für ihr Aussehen selbst schuld?“

  1. Ich frage mich generell, warum es immer um Schuld gehen muss. Der eine darf mehr unter seiner Situation leiden als der andere, je nachdem, ob er schuld ist oder nicht. Das ist doch bescheuert. Jeder hat seine Geschichte und seine Gründe. Das Gewicht hat ja ganz oft auch was mit der Seele zu tun und ist generell so komplex, dass das Thema Schuld da ganz unangebracht ist.
    Und mit dem Partner… Nun ja, ich wurde auch mal abgewiesen und als ich mich bei meiner Mama darüber ausweinen wollte, sagte sie mir, dass viele ja auch auf Dünnere stehen würden. Mag sein – bestimmt. Aber ich bin doch mehr als meine Optik.

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    1. So ist es! Die ganze Schuldfrage ist eigentlich völlig unnötig, weil die Grenzen bei jedem woanders liegen und es eigentlich keinen Sinn macht, Gewicht und Misserfolg zu verbinden.

      Der Kommentar deiner Mama tut mir sehr leid, aber ich finde ihn eigentlich nicht richtig, seinem weinenden Kind zu sagen. Sicher hat sie es nicht böse gemeint, aber kein Mensch sollte sich aufgrund seines aussehen minderwertig fühlen!

      Ganz lieben Grüße!

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  2. Ich bin gerade in einer sehr ähnlichen Situation. Interessanterweise ist bei mir jene „Freundin“ sogar bis vor kurzem selbst sehr übergewichtig gewesen.
    Ich selbst fragt mich immmer:“Wer bestimmt eigentlich, was schön ist?“ „Wer, außer mir selbst, kann denn beurteilen, wie und warum es mir eigentlich so geht?“

    Gefällt 3 Personen

    1. Das stimmt! Schönheit ist eigentlich individuell und noch bemessen wir uns bah idealen, die entscheiden was schön und hässlich ist!

      Im übrigen war eine Freundin frühe ah h etwas übergewichtig und „hetzt“. Ich weiß nicht, ob sie denkt, dass sie es geschafft hat und andere nicht…

      Liebe Grüße!

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  3. Menschen so sehr und zumindest erst einmal vordergründig nach ihrem Äußeren zu beurteilen, ist eine schlimme und leider allzu gegenwärtige Unsitte. – Mich regt das so auf, dass ich Romane zu dem Thema schreiben könnte.

    Ich muss gestehen, dass sich in mir zu Menschen, die diesbezüglich so überheblich, so unfassbar verletzend bewertend, daher reden sofort eine Barriere aufbaut.

    Ein Mensch ist doch nicht sein äußeres Erscheinungsbild. Ein Mensch ist doch viel mehr und insbesondere viel mehr ganz etwas Anderes. Warum ist das augenscheinlich für viele andere Zeitgenoss*innen so schwer zu erkennen, anzunehmen, zu verstehen. – Augenscheinlich MUSS, vor allem wenn sonst nicht viel „vorhanden“ ist, es doch immer irgendetwas geben, was die eigene „Überlegenheit“ herausstellt, und seien es ein paar erbärmliche Pfunde weniger.

    Warum haben solche Menschen nicht ein bisschen Empathie dafür, was ihre überheblichen reden, ihr Gehabe für Wunden, für Verletzungen verursachen oder wieder aufreißen könne?. Und was da alles als „weniger wert“ verbal breitgelatscht wird, ist noch unfassbarer – es ist ja längst nicht nur das Mehrgewicht der einen oder anderen Person.

    Wier oft habe ich es selbst schon erleben müssen, wie ganz abfällig auch über Menschen gesprochen wurde, die eine „nicht abendländische“ Hautfarbe haben, die (sicht- und wahrnehmbar) an Anorexie leiden, die für ihr Alter „zu groß“ oder „zu klein“ waren oder sind, die anders geschlechtlich orientiert sind als es „die Norm“ ist, die Frau sind, vor allem, wenn sie es bewusst sind – ich könnte das (leider) nioch sehr lange fortsetzen.

    Besonders schlimm finde ich, dass solche abwertenden Äußerungen selbst in einer Berufsgruppe fallen, wie der, zu der ich gehöre. – Ich bin Sozialpädagoge. Und es ist unglaublich, was einige „Kolleg*innen „hinter vorgehaltener Hand“ über Klient*innen oder andere Kolleg*innen mitunter von sich geben.

    Dein Eintrag hier ist wieder einmal ein sehr wichtiger, liebe Mia. – Dankeschön dafür!

    Liebste Grüße an Dich! ❤

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    1. Du sprichst mir mal wieder aus der Seele, lieber sternfluesterer! Ja, ja, und ja! Ich stimme dir in jedem Satz vollkommen zu! Das Bewerten nach dem Äußeren, genau wie das Verurteilen finde ich so absurd (obwohl es scheinbar die Regel ist). Es liegt sicher nicht an der Spezies des Menschen, durchaus aber daran, wie wir sozialisiert werden und was wir als schön und hässlich empfinden SOLLEN.

      Dass diese Abfälligkeiten selbt in deiner Branche existieren, ist irgendwie ironisch und traurig zugleich. Dafür freut es mich umso mehr, dass du dich dem nicht anschließt und immer deinen eigenen Kopf hast!

      Ganz ganz liebe Grüße und vielen Dank für deinen lieben Kommentar! ❤

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  4. Ja, wahrscheinlich eines unserer grossen Zeit-Themen. Das mit dem Aussehen und Körper, etc. Aber statistisch gesehen ist es ja auch absolut unkorrekt, dass nur „perfekt“ aussehende Menschen und mit dem als ideal betrachteten Gewicht jemande*n finden. Und man will ja auch jemande*n, mit der*dem man einfach super auskommt und sich gern hat, und nicht einen für den „Schein“ getrimmten Körper. Interessant finde ich ja auch, dass jede*r sehr schnell zunehmen kann. Sei das, weil sie*er Medikamente nehmen muss, durch eine Krankheit oder auch durch viele Umstände sonst. Oder weil man plötzlich in einer anderen Lebensphase-/situation ist. Wenn man dann alles nur vom Körper abhängig gemacht hat, hat man dann wohl erst Mal ein Problem.

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    1. Das stimmt. Am ende desTages kommt es icht auf das Aussehen an, sondern darauf, wie der Mensch ist und was man alles mit ihm unternehmen kann. Schönheit alleine kann einen nicht lieben, trösten unterstützen oder zum Lachen bringen. Außerdem hat niemand das Recht zu behaupten, was schön und hässlich ist.

      Ganz liebe Grüße!

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  5. Da das Gehirnes alleine schon 25% des Gesamternergieumsatzes des Körpers verbraucht, ist es eher eine Arbeits-Vermeidungs-Maschine.
    Also versucht es möglichst möglichst wenig und Effizient über alles nachzudenken.
    Und das funktioniert am besten über Vorurteile, Pauschalisierungen und Schubladen.
    Und Menschen sind halt Augentiere, nehmen Ihre Umwelt über das sehen auf.

    Also glaub ich das ist in uns drin, wir können nur unter Anstrengung anderster urteilen.

    Und wir neigen auch dazu Gruppen zu bilden und andere auszugrenzen.

    All das sind dinge die wir in uns haben und nur bewusst mit anstrengung überwinden können.

    Und wer will schon was Anstrengendes machen..

    Grüße,

    SNKS

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  6. Ich verstehe deinen Standpunkt. Jedoch musst du dir bewusst sein, dass auch deine Sicht sehr gefärbt ist. Eben durch die ES. Durch deine Vergangenheit (und Gegenwart) vertrittst du auch einen extremen Standpunkt. Denn seien wir ehrlich: wann findet man einen Partner? Wenn man sich schön findet. Wann findet man sich schön? Wenn man sich wohlfühlt. Wann fühlt man sich wohl? Wenn man gesund und glücklich ist. Und gesund und glücklich ist man, wenn man sich körperlich und seelisch gut um sich kümmert. Wenn man also gesund isst, sich körperlich betätigt und sich um sein Sozialleben bemüht. Deine Freundin hat also nicht ganz unrecht, obwohl sie vielleicht nicht die richtigen Worte benutzt hat. Noch ein anderer Punkt: Eine Bekannte aus meinem Umfeld ist richtig Dick, kümmert sich jedoch sehr um ihr Aussehen und kleidet sich gut. Sie findet jedoch keinen Mann. Warum? Weil sie einen top gutaussehenden Typen will. Nur ist es Realität, dass sich meistens Leute GEGENSEITIG attraktiv finden, die etwa „gleich“ schön sind. Das ist durch Studien belegt. Und da hilft es auch nicht, wenn man das gemein findet. Ich wollte dir das nur aufzeigen, damit du merkst, dass du selber eben noch sehr verwundbar bist bei diesem Thema und daher auch eine extreme Meinung hast.

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    1. Ja und nein. Mein „extremer“ Standpunkt hat sich durch die ES zwar definitiv verstärkt, aber ich habe selbst in der Grundschule keinen großen Fokus auf das Äußere gelegt. Die meisten Menschen in der westlichen Welt (insbespndere Frauen) finden sich nicht schön und können trotzdem Partner haben.

      Das worum es mir in dem Text ging, ist dass man nicht darauf schließen kann, dass weil jemand „dick“ ist, automatisch auch keine Partner bekommen KANN. Ich gebe dir zwar völlig recht, dass das erste was man an einem Menschen sieht, das Äußere ist, aber es sollte nicht vom Glück abhängig sein.
      Viele Körper sind rein genetisch etwas korpulenter (z.B. meine Familie), egal, wie gesund sie sich ernähren. Diese dürfen sich jedoch genauso schön und gesund fühlen. Man kann sich nicht auf ein Ideal hungern, nur um sich endlich schön zu fühlen und hoffentlich einen Partner zu finden.

      Ganz liebe Grüße!

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  7. Mir wurde sozusagen schon mit der Muttermilch eingetrichtert, dass eine Frau gut aussehen soll, immer auf ihr Äußeres achten muss und vor allem auf ihre schlanke Figur. Meine Mutter hatte auch nie Gewichtsprobleme, war immer dünn. Sie hat aber auch immer nur sehr wenig gegessen, angeblich, weil sie keinen Hunger hatte (keine Ahnung, ob das stimmte?!). Mir wurde suggeriert, dass ich keinen Mann abbekomme, wenn ich mich nicht daran halte. Schon als Kind wurde mir das Essen weggenommen, damit ich nicht zu dick werde…

    Was Aussehen und Beziehungen betrifft: Das Aussehen ist doch auch das erste, was man sieht, durch diesen ersten Eindruck entscheidet sich doch erst, ob man interessiert ist oder nicht! Also spielt es schon eine wichtige Rolle, man hat halt so bestimmte Vorlieben (ich finde z. B. etwas moppeligere Männer toll und möchte nie einen ganz dünnen). Was er für einen Charakter hat, erschließt sich doch erst viel später. Wenn mir jemand optisch nicht gefällt, dann kann der Charakter so gut sein wie er will, mein Gegenüber wird dann höchstens mein Kumpel werden. Andererseits kann einer auch aussehen wie Mr. Universum und bei mir keinen Punkt machen, weil ich seine Art nicht mag.

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    1. Wie traurig, dass du schon von klein auf mit dem Ideal konfrontiert wurdest, und das Aussehen sogar ausschlaggebend dafür sein soll, ob man einen Partner findet oder nicht. Meiner Meinung nach geht es nicht nur ums Aussehen. Und auch wenn das Aussehen das erste ist, was man sieht, so glaube ich, dass man vielen Menschen meine Chance gibt, weil sie nicht perfekt aussehen, aber innerlich perfekt sein könnten. Ich hoffe, saß sowohl in der Erziehung, als auch im Leben der ganze Fokus um Optik nicht mehr eine zentrale Rolle spielen wird!

      Ganz liebe Grüße!!

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      1. Die Frage ist auch, was empfindet man als „perfekt“? Ich glaube, das ist bei jedem anders! Eine/r steht auf dünne Blondinen, der/die andere auf kurvige Schwarzhaarige, der Muskelmann findet ebenso AbnehmerInnen wie der Moppel 🙂 Die einen mögen kurze Haare, die anderen lange, manche finden große Hintern super oder kleine Brüste, somit ist jeder für irgendjemanden perfekt 🙂

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      2. Das stimmt, perfekt ist inidividuell 🙂 Aber das Aussehen wird niemals den Charakter eines Menschen gleichstellen können. Als ich jünger war, hatte ich immer diese idealisierten Vorstellungen von mir und Menschen, aber gleich festgestellt, dass ein Mensch, egal, wie wunderschön ist, sein Aussehen niemals für sein Aussehen rechtfertigen kann. Es ist meiner Meinung nach ungesund sich zu sehr auf das Äußere zu fokussieren, denn es macht einen wählerisch und vielleicht auch einsam. Natürlich muss man einen Menschen auf irgendeine Weise anziehend finden, aber meine damaligen Voraussetzungen, was Größe, Statur, Harrfarbe, usw. betraf, habe ich über Bord geworfen. Und seitdem geht es mir besser und ich habe einen wunderbaren Menschen in mein Leben lassen können!

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      3. So ging es mir auch 🙂 Ich stand früher eher auf die kleineren, südländischen, dunklen Typen – natürlich moppelig, gerne langhaarig. Glücklich geworden bin ich aber mit einem rothaarigen, kurzgeschorenen Riesen ❤ Aber ich finde durchaus, dass man auch wählerisch sein darf, chließlich ist man selbst auch einzigartig!

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