Keine Scham für Fressattacken

Essanfälle, Fressanfälle, Fressattacken – viele Begriffe, eine Bedeutung: unkontrolliertes Essen in großen Mengen. Und das Schlimmste, was man während oder nach einem Essanfall tun sollte, ist sich deswegen zu schämen.

Essstörungen sind Krankheiten.

Und fast niemand sucht sich bewusst Krankheiten aus. Die meisten psychischen entstehen ohnehin „unbewusst“ und kommen einem so vor, als wären sie plötzlich da. Zu einem Menschen mit Krücken sagen wir schließlich auch nicht: Schäm dich, weil du nicht mit deinen Beinen läufst. Nein, wir haben Verständnis für den Menschen mit dem kaputten Bein, deshalb sollten wir auch Verständnis für uns haben, auch wenn die Essstörung nicht optisch sichtbar ist.

Fressattacken haben nichts mit Schwäche zu tun!

Manchmal werden wir „schwach“, essen ein Stück mehr Kuchen, als nötig oder vertilgen doch die ganze Packung Schoki. Allerdings sind Essanfälle etwas völlig anderes als das Überschreiten der eigenen Grenze, die man sich gesetzt hat.

Essanfälle sind „gigantisch“ – die Menge an Esssen ist gigantisch. Oft so groß, dass sie das Sättigungsgefühl um Längen überschreitet. Doch der seelische Hunger ist oftmals längst nicht gesättigt.

Es gibt keinen Grund sich für Fressattacken zu schämen!

Ich kann euch nicht beschreiben, wie angeekelt und erniedrigt ich nach einem Essanfall von mir selbst war. Ich fühlte mich wie ein unkontrollierbares Tier, das ein Grundnahrungsbedürfnis wie Essen nicht kontrollieren konnte. Ich weinte, schrie und wollte, dass es aufhört. Ich wollte einfach nur wieder essen. „Normal“…Ohne Essanfall…

Heute schäme ich mich nicht mehr und vermeide sämtliche Selbstvorwürfe. Sie bringen nichts und machen es höchstens schlimmer. Seitdem sind die Essanfälle übrigens auch weniger geworden. Ich habe sie akzeptiert und wenn sie kommen, dann versuche ich mir selbst Trost zu spenden, anstatt gegen mich anzukämpfen. Dadurch bin ich in einen besseren Einklang mit meinen Körper und Geist geraten.

Essanfälle sind nichts, wofür man sich schämen sollte! ♥

Falls euch das Thema interessiert:

Nach dem Binge-Eating – Gefühle und neue Mutschöpfung

 

Binge Eeating – Schamgefühl bei Essanfällen

 

8 Kommentare zu „Keine Scham für Fressattacken

  1. „Ich fühlte mich wie ein unkontrollierbares Tier, das ein Grundnahrungsbedürfnis wie Essen nicht kontrollieren konnte.“ Oh ja, das kenne ich nur allzu gut! Ich fühle mich nach wie vor widerlich, wenn ich (für meine Begriffe) zuviel gegessen habe. Widerlich, schwach, erbärmlich…. Sklave meiner Begierden 😦

    Sehr schön für dich, dass du da rausgefunden hast ❤

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  2. Liebe Mia,
    sehr treffend beschrieben. Ein durchweg lesenswerter Beitrag. 🙂 Deine beschriebenen Gefühle sprechen garantiert sehr viele Betroffene an. Ein paar kenne ich von mir, aber die unbändige Scham und die Selbstvorwürfe verloren sich bei mir irgendwann. Ich verlor die Beherrschung quasi mit gutem Gewissen.

    Ich gestehe, dass ich mich im letzten Drittel meiner aktiven Essstörungszeit weder dafür geschämt, noch vor mir selbst geekelt habe. Gut, es wusste keiner, was ich im Verborgenen tat. Aber ich war mit dem essgestörten Verhalten eins; eine Einheit; verschmolzen, wie Schmelzkäse. Für mich gab es nichts Negatives daran. So banal es klingt, ES war für mich „normal“.

    Die Akzeptanz machte es für mich leichter, den Kreislauf zu durchbrechen. Das zeigt wieder deutlich, dass jeder anders mit den essgestörten Widrigkeiten umgeht. Und doch gibt es Parallen. Beides gilt es offen anzusprechen.

    Danke dafür…
    Alles Liebe
    Michaela

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    1. Danke für deinen Kommentar, liebe Michaela! Ich kann mir gut vorstellen, dass die Anfälle im Laufe der Zeit “egal” werden, weil sie so stark ins Leben eingespannt werden! Natürlich wird es irgendwann “normal”! Umso bemerkenswerter finde ich es , dass du dich davon lösen konntest! Auch sein Schritt es zu akzeptieren empfinde ich als sehr hilfreich!

      Liebe Grüße ❤️

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  3. Der Beitrag kommt für uns wie gerufen. 😊 Die letzten Tage waren in Punkto Essanfälle mal wieder der reinste Horror. Heute Morgen blieb dann nur noch das überwältigende Gefühl es mal wieder nicht im Griff zu haben, da hat dein Beitrag richtig gut getan.

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  4. Ohja, wie oft hab ich mir ind en letzten Jahren ein gebrochenes Bein gewünscht! Einfach mal nichts erklären, keine Rechtfertigungen, weder vor anderen noch vor mir selbst! Manchmal frage ich mich, ob die Rechtfertigung vor sich selbst nicht eigentlich das Kernproblem ist. Können andere meine Erkrankung nicht akzeptieren oder kann ich es vielleicht selbst nicht und muss es deshalb im Verborgenen lassen?! Scham ist ja ein Gefühl, das versucht zu verstecken, was da ist in Befürchtung schlimmer Konsequenzen.
    Soo gut, dass du dich für deine Essattacken nicht mehr schämen musst! Hat das für dich auch was daran geändert, wie du damit im Außen vor anderen umgehst? LG!

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