Warum das Essen als Belohnung gefährlich sein kann

Essanfälle haben mehrere Auslöser. Mal ist es Trauer oder Wut, mal bloße Langeweile. Die Auslöser müssen aber nicht negativ konnotiert sein – manchmal essen wir als Belohnung. Und das kann ziemlich gefährlich werden…

Essen als Belohnung sollte fast jedem bekannt sein. Schließlich werden wir quasi damit erzogen. Als Kinder gab es Belohnungen in Form von Süßigkeiten – Schokolade, Eis oder ein Stück Kuchen. Wir belohnen uns gerne mit Essen, denn es ist einerseits unkompliziert, und andererseits wohltuend für die Seele.

Das Gehirn manipuliert uns erfolgreich, in dem es die Umstände rechtfertigt und wir merken es nicht einmal. Unsere Hormone sind daran „schuld“, denn das sogenannte Belohnungssystem ist eines, das von Hormonen gesteuert wird. Dopamin und Serotonin werden ausgeschüttet und geben uns ein gutes Gefühl. Dass Schokolade glücklich macht, ist also gar kein Mythos. Die Kehrseite ist nur, dass wir uns früher oder später an dieses Gefühl gewöhnen und mehr davon wollen. Schokolade macht ja bekanntlich auch süchtig…

Bei Menschen mit Essstörungen kann das Essen als Belohnung besonders gefährlich werden.

Obgleich sich jede/r hin und wieder mal mit Essen belohnt, ist es für Menschen mit einer Essstörung um einiges komplizierter. Diejenigen, die das Essverhalten von Binge Eating oder Bulimie aufweisen, sind besonders betroffen. Denn für diese bleibt es meist nicht nur bei einem Stück Kuchen oder einer Kugel Eis. Das Essen steht sinnbildlich für ein Ventil. Außerdem nimmt das Essen weiterhin einen riesigen Stellenwert ein; einen Stellenwert, den es kaum zu übertrumpfen gilt. Das Essen ist ein Ventil.

Wir müssen neue Belohnungen finden. 

Es ist absolut nichts dabei, eine Belohnung herbeizusehnen oder sich selbst belohnen zu wollen. Belohnungen motivieren uns oder schließen ein Ereignis richtig ab. Das Essen jedoch sollte nicht immer die Belohnung repräsentieren.

Ich habe mir neue Belohnungen gesucht und versuche mir etwas Gutes zu tun, wenn ich etwas Großes erreicht habe. Dafür gönne ich mir zum Beispiel was – in meinem Fall sind das meistens Bücher (Nerd), welche zwar manchmal meine Geldbörse erleichtern, aber mir trotzdem unendliche Freude bereiten.

Eine Bekannte geht zum Friseur, wieder jemand anderes stößt mit seinen Freunden in einer Bar an. Je nachdem, was uns Freude bereitet und glücklich macht, kann es, wenn es uns zwangsläufig nicht schadet, als neue Belohnung dienen.

Was, wenn ihr nicht wisst, das euch gut tut? 

So ging es mir nämlich anfangs. Für mich was das Essen mein „Leben“ und nichts konnte dem gerecht werden. Ich gebe zu, dass der Weg gar nicht so leicht war. Ich musste vieles ausprobieren – puzzlen, malen, joggen…Es dauerte eine Weile lang, aber je mehr ich mich bemühte, desto mehr fand ich neue Dinge die mir Freude bereiteten.

Und ja, manchmal belohne ich mich, in dem ich die Füße hochlege und ganz stupide stundenlang netflixe – das lenkt mich ab, tut mir gut und bringt mich zum lachen. Es muss nichts Großes sein, Hauptsache etwas, das uns belohnt!

Wie belohnt ihr euch außer zu essen?

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Manchmal essen wir alle, um uns zu belohnen. Das tun wir schon seit Kindertagen; wir sind quasi damit aufgewachsen. Doch das Essen als Belohnung hat auch seine Kehrseiten… Vor allem für Betroffene einer Essstörung! Das Essen ist nämlich ein #ventil – nicht nur für schlechte Dinge, sondern auch für gute. Und das Essen als Ventil artet nicht selten in einem Essanfall aus. Wir müssen daher neue Belohnungen finden und dem Essen nicht diesen gigantischen Stellenwert im Leben geben. Es soll uns nicht trösten, wenn es uns schlecht geht und belohnen, wenn es uns gut geht. Ich belohne mich, in dem ich mir was gönne – ein neues Buch zum Beispiel, oder sonstige Selbstfürsorge! Wie belohnt ihr euch? Was tut ihr anstelle als Belohnung zu #essen ?

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13 Kommentare zu „Warum das Essen als Belohnung gefährlich sein kann

  1. Du hast sehr recht – sich mit Essen zu belohnen, kann bereits weit vor einer Essstörung oder überhaupt ohne damit in einem Zusammenhang zu stehen zu einem mehr oder weniger Problem werden. – Wenn einen wiederholt ein schlechtes Gewissen plagt, weil man wieder einmal generell zu viel oder zu viel von einer bestimmten Sache zu sich genommen hat, beginnt es in meinen Augen schon, etwas problematisch zu werden.

    Ich kenne solche Situationen selbst, bin nicht vor ihnen gefeit – icvh muss nur an gestern Avbend denken …

    Mit anderen Belohnungen tue ich mich freilich schwer. Um so schwerer, je mehr ich in Pflichten und Zwängen gefangen bin. Aber auch generell. – Dein Eintrag hier ist für mich ein bisschen wie ein Warnschuss, mir wieder mehr Gedanken darüber zu machen, wie ich mich auch unter anhaltenden angespannten Bedingungen belohnen kann.

    Was aber tut man, wenn für das geliebte Lesen oder Schreiben (Schreiben, so wie ich es mag, empfinde ich durchaus als Belohnung) tatsächlich kaum noch ein Zeitfenster zur Verfügung steht? – Wahrscheinlich, nein sicher, muss ich noch viel kleinteiliger, kleinmaßiger denken:

    Auch eine besondere Tasse tee, bewusst und in Ruhe getrunken, kann eine Belohnung sein. Die Miniauszeit mit einer Musik, und sei sie auch nur drei Minuten lang. Der Sonnenstrahl, der die Baumwipfel streicht, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit fahre. Zwei, drei tiefe Atemzüge in Ruhe. Das bewusste Denken an einen lieben Menschen, dass bewusste sich Erinnern an sein Vertrauen …

    Danke für diesen Eintrag (er war, er ist auch für Menschen ohne Esstörung eine Bereicherung!)

    Liebste Grüße an Dich! 💖

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    1. Danke für deine Worte, lieber sternfluester! Es freut mich immer sehr, wenn meine Beiträge dich zum Nachdenken anregen! Vermutlich belohnen sich die meisten Menschen mit Essen, weil es so einfach ist. Essen muss man schließlich immer, fürs Lesen hat man manchmal keine Zeit/Kraft. Doch selbst eine Tasse Tee, wie du sagst, oder das bewusste Musik hören, können uns abtauchen lassen und belohnen!

      Liebe Grüße! ♥️

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  2. Ich muss gestehen, ich belohne mich gern übers Essen, versuche aber, immer ein Auge darauf zu haben, dass es nicht ausartet.
    Ansonsten gern genommene Belohnungen bei mir: eine neue Nagellackfarbe, ein paar Folgen meiner Lieblingsserien schauen, ein Buch oder Bastelsachen☺

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  3. Schokolade gibt es eigentlich einfach so bei mir – ist immer für die Rückfahrt von der Einkaufsrunde eingebucht. 🙂
    Belohnung??? Gute Frage – am ehesten und sehr selten mal mit freier Zeit. Also Museumsbesuch oder wir fahren einfach irgendwohin, wenn es zeitlich grad paßt.

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  4. Ich wurde schon als Kind immer mit Essen bzw. Süßigkeiten belohnt, das war ein fataler Fehler. Auch heute „gönne“ ich mir etwas, wenn ich z. B. viel Stress am Tag hatte – und hinterher hab ich dann ein schlechtes Gewissen. Ersatzbelohungen habe ich noch keine adäquaten und wirksamen gefunden, außer vielleicht Klamotten kaufen, ein Kaffee hilft auch manchmal.

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      1. Das Problem dabei ist aber auch, dass diese Stresssituationen immer auf der Arbeit auftauchen und dann kann man nicht eben mal schnell ein Bad nehmen, Katzen kraulen, Star Wars gucken oder eine Flasche Sekt trinken. Da ist schnelle Hilfe nötig, dann hilft oft nur das Stück Schokolade.

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  5. Ein sehr guter Beitrag…. Ich kenne es selbst von mir nur zu gut. Und natürlich handelt es sich dann meistens um Süßkram. Ich nehme keine Drogen. Also gar keine. Hab ich nie. Weder Alkohol, Nikotin, Gras oder was auch immer. Auch Coffein so gut wie kaum. Wenn Menschen erstaunt darauf reagieren sage ich „Zucker ist meine Droge“, meist wird dann gelacht, aber ich meine es ernst. Diese Belohnungsschokolade bzw Schoki als Stimmungsaufheller darf man nicht unterschätzen. Es gibt Zeiten, da habe ich mich schwerer im Griff, doch irgendwann fällt es mir wieder dermaßen auf, dass ich Versuche, es drastisch zu reduzieren.
    Meine Alternative?
    Gar keine Belohnung. Einfach so über das freuen, was man geschafft hat. Und wenn ich das Bedürfnis habe, den Moment zelebrieren zu müssen, dann vielleicht einfach einen guten Tee. Und wenn ich gestresst bin, dann vielleicht auch ein Tee, Lichterkette an und durchatmen. Das ist mein Wunsch, immer so mit diesen Situationen umgehen zu können. Mal klappt es besser, mal schlechter…
    Liebe Grüße 😉

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    1. Ich bin da glaub ich ganz ähnlich wie du – keine Drogen, nur das Essen. Schokolade ist da zurecht die Königin aller Drogen, weil sie neurologisch ja tatsächlich süchtig machen kann!
      Und dass du dich manchmal gar nicht belohnst, finde ich eigentlich am Besten! Ich weiß auch nicht, woher dieser Wunsch rührt, für jede gute Leistung etwas zu erwarten. Vielleicht probiere ich das auch mal aus! 🙂

      Liebe Grüße!

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