Schluss mit dem „Aufrechnen“ – Denk nicht an gestern und an all das, was du gegessen hast!

Für das 20. Türchen meines Adventskalenders erwartet euch folgende Botschaft: Hör auf, das gestrige Essen aufzurechen.

Vielleicht ist dieses Phänomen einigen völlig unbekannt, vielleicht wissen andere ganz genau, wovon die Rede ist. Obwohl eine Essstörung und Mathe wenig gemein haben, wird bei der Essstörung trotzdem eine Menge gezählt und gerechnet: das Gewicht, die Kalorien, die Rückschläge…

Ein Hauptgrund für meine immer wiederkehrenden Essanfälle war das ständige Aufrechnen.

Jeden Tag dachte ich darüber nach, wie viel ich am Vortag gegessen hatte, und ermahnte mich, heute weniger zu essen, um die gestrige Menge zu kompensieren. Nach dem Motto:

„Ich hatte schon gestern etwas Süßes, ich sollte nicht schon wieder naschen!“

„Gestern habe ich sooo viel gegessen, heute muss ich viel weniger essen, um es wieder aufzuwiegen.“

„Ich hatte schon gestern einen Essanfall, ich darf nicht schon wieder einen haben.“

Diese Gedanken lösten natürlich noch mehr Druck aus, und sorgten erst recht für einen Ausbruch.

Andersherum war es übrigens genauso. Aß ich an einem Tag weniger, sagte ich mir, dass ich es mir ja jetzt „leisten“ konnte, mehr zu essen.

Gestern war gestern und heute ist heute.

Ein vergangener Tag wird nie wieder zurückkommen. Was jedoch zurückkommen wird, ist der Hunger. Wir sollten unsere physischen Bedürfnisse nicht aufgrund von Schuldgefühlen unterdrücken. Auf diese Weise machen wir uns viel angreifbarer für den Jo-Jo Effekt.

Schaut immer nach vorn und nicht zurück. Versucht es jeden Tag aufs Neue, und rechnet die Vortage dabei nicht auf. Erinnert euch besonders während dieser Jahreszeit daran. Auch ich sage mir ständig, dass es okay ist, jeden Tag etwas Süßes zu essen. Und wisst ihr was? Es funktioniert 😀 Spekulatius, ich komme! ♥

Kennt ihr das Phänomen des Aufrechnens? Habt ihr Erfahrung damit? Wenn ja, wie geht ihr damit um?

PS.: Mein Buch „Zwischen meinen Worten“ ist jetzt erhältlich!

zwischen_meinen_worten

 

19 Kommentare zu „Schluss mit dem „Aufrechnen“ – Denk nicht an gestern und an all das, was du gegessen hast!

  1. Und ob ich dieses Phänomen kenne, begleitet mich ja schon seit frühester Jugend! Ich kann mich an meine erste Diät mit 13 erinnern, als ich meine Mutter anwies, keine Süßigkeiten mehr zu kaufen, auch wenn ich darum betteln würde. Dies wurde von meinen Eltern sehr lobend zur Kenntnis genommen, sie fanden es toll, dass ich abnehmen wollte, obwohl ich doch gar nicht dick war?! 😦

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  2. Ein sehr guter Tipp! Generell finde ich die Idee mit den Kalendertürchen jetzt in der Vorweihnachtszeit klasse, weil gerade die Zeit jetzt triggernd sein kann. Mit dem ganzen Süßkram um uns herum, den dunklen Tagen und anstehenden Familienfeiern. 😀 Es ist gut, sich solche Sachen immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. 🙂

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  3. Totale Zustimmung von meiner Seite! Ich sage mir an Morgenden, an denen ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich am Tag vorher insgesamt eher viel gegessen habe (ohne Wertung, ob es „zu“ viel war) , dass es jeden Tag von vorne los geht und jeder Tag eine neue Chance ist.

    Schwierig sind nur die Tage, nach schlimmen Tagen, wenn ich schon mit Magenschmerzen und totaler Überfüllung aufwache… Da esse ich zumindest eine Kleinigkeit und nehme mir für die nächsten 2 Stunden etwas mit.

    Mit einem Tag zu wenig legt man ja eher die Weichen für einen erneuten „schlechten“ Tag/Abend. Und ebenso, wie man von einem Tag fasten nicht schlank wird, wird man von einem Tag, an dem man ein paar Kekse oder so mehr gegessen hat, nicht dick.

    Und: der Körper ist keine Maschine. Er braucht nicht genau Menge XYZ um Aktionen A, B und C ausführen zu können, sondern den einen Tag braucht er eben mehr, den anderen weniger 💚

    Liebe Grüße!

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    1. Jaaaaa! Wieder einmal so schön gesagt! Es juckt mich schon wieder in den Fingern, diese tollen Worte nicht auch bei IG zu teilen 😀

      Wie du sagst, ist der Körper keine Maschine oder ein Roboter, der eine genaue Anzahl benötigt.

      Liebe Grüße!

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      1. Hehehe 😎😘

        Üüübrigens bin ich zu 3/4 mit deinem Buch durch und hab einiges an Gedanken dazu. Ich würde sie dann glaube ich gerne in einer Nachricht mit dir teilen, wenn das in Ordnung ist? 💚

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  4. Schwieriges Thema … ich habe noch keinen guten Umgang mit Essen gefunden. Muss laut Ärztin ein paar Kilos verlieren. Esse gesund, aber zu oft und zu viel.

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  5. Boah, dieses Aufrechnen ist der schlimmste Brainfuck- 😱
    Besonders, wenn es sogar dazu führt, nicht mehr gescheit am Leben bzw. dem sozialen Geschehen teilnehmen zu können, weil man gedanklich dermaßen konzentriert ist, das bisherige ESSEN des (Vor-)Tages aufzulisten, dass man um sich herum nix mehr wahrnimmt- 😒

    So ging es mir jedenfalls sehr oft. Die Liste in Schriftform anzufertigen half mir dagegen, immer wieder in Gedanken dorthin abzudriften (= einmal draufgucken, fertig), aber ein Zustand war es nicht. Jedenfalls kein guter. Uach.

    Alles Liebe für dich und jeden, der hier mitliest und mitfühlt: VVN 😊

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      1. Auf gar keinen Fall! 😅

        Es gibt bis heute gute und schlechte Tage. Der wichtigste Unterschied zu früher ist, dass ich die schlechten Tage inzwischen als *genau das* akzeptieren kann: als EINEN kurzen Moment, im Verhältnis gesehen zum Rest/meinem gesamten Leben- Ich weiß jetzt, dass davon ganz übergreifend „nicht die Welt untergeht“, selbst wenn es sich zu Beginn meiner Erkrankung vielleicht öfters so angefühlt hat… 😉

        Und ich habe sowieso einen (für mich) sehr annehmbaren Weg gefunden, um MIT DER ES zu leben- Wir haben uns arrangiert, wenn man so will. Ich achte bestmöglich auf mich, und dass sie da ist, gehört inzwischen einfach zu mir- 🙂

        Daher erwähne ich das gelegentlich beim Schreiben, aber es dominiert thematisch nicht. Weder meinen Alltag, noch den Blog. Nur, wenn es mir *wirklich* mies geht, geschieht es wieder ab und an. Und auch dann sage ich mir, dass es OK ist-

        Herzlichste Grüße! VVN 😊

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