Wenn gesundes Essen zu einem Zwang wird – Was ist Orthorexie?

Gesunde Ernährung gilt als „richtige“ Ernährung. Bis zu dem Moment in dem sie zwanghaft wird. In diesem Beitrag möchte ich euch eine sehr häufige, aber leider noch recht unbekannte Form der Essstörung vorstellen: Orthorexie.

Was ist Orthorexie?

Orthorexie ist eine Form der Essstörung, in der auf eine zwanghafte Weise ausschließlich „gesundes“ Essen konsumiert wird. Von der Liste gestrichen wird also sämtliches Junk- und Fast Food sowie Industriezucker oder Konservierungsmittel. Stattdessen bestimmen „nahrhafte“ Produkte wie Gemüse, Obst oder die „richtigen Kohlenhydrate“ (falsch wäre Weißbrot, richtig wäre Schwarzbrot) den Speiseplan.

Wie bei jeder anderen Form der Essstörung beschäftigen sich Betroffene auch in ihren Gedanken stark mit dem Essen oder nicht essen. So erstellen sie manchmal Essenspläne, stellen bestimmte Uhrzeiten zum Essen auf und kombinieren ihren vermeintlich gesunden Lebensstil mit Sport. Regelabweichungen führen zu hohem Druck und innerem Stress.

Das traurige Paradoxon bei Orthorexie ist, dass das Essverhalten trotz der Idee einer gesunden Ernährung ganz und gar nicht gesund ist – weder für den Körper noch für die Psyche.

Irgendwann geht es gar nicht mehr um das Essen oder den gesunden Lebensstil, sondern ausschließlich um den Zwang, nicht mehr anders zu können. Außerdem passiert es nicht selten, dass immer weniger Nahrung konsumiert wird und Betroffene von der Orthorexie in die Magersucht oder in eine andere Form der Essstörung rutschen.

Laut Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung sind etwa ein bis drei Prozent von Orthorexie betroffen, wobei es sich meistens um junge Frauen handelt. Ich glaube allerdings, dass die Dunkelziffer weit höher liegt.

Orthorexie im Trend

Inzwischen ist es gar nicht so leicht, die Diagnose zu erstellen, da durch die „Healthy Lifestyle“-Welle gesundes Essen zu einer Art Trend geworden ist. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit gesunder Ernährung, daher wird es gesellschaftlich oft gar nicht als „falsch“, sondern viel schlimmer noch als „richtig“ angesehen.

Dank Instagram, Pinterest und sonstigen Foren sieht „gesundes“ Essen auch nicht mehr grün und abschreckend, sondern bunt und „sexy“ aus!

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Folgen von Orthorexie

  • Untergewicht – da die Ernährung immer restriktiver wird
  • Fehlende Nährstoffe wie Eisen, Fette und Kohlenhydrate durch eine unausgeglichene Ernährung
  • Heißhungerattacken und Essanfälle durch den Jojo-Effekt
  • Extremhunger durch das andauernde Hungern des Körpers
  • Hineinrutschen in eine andere Form der Essstörung

Behandlung gegen Orthorexie

Wie bei jeder Essstörung empfehle ich unbedingt eine Behandlung! Der Weg ist hart und ich kenne niemanden, der es allein da raus geschafft hat. Viele professionelle Personen wissen viel mehr über das menschliche Gehirn und seine Abläufe als wir. Daher sollten wir die Hilfe annehmen, wenn sie sich uns bietet!

Therapie

Viele Psychologen empfehlen bei Essstörungen eine Verhaltenstherapie. Ich selbst hatte auch eine, doch solange ihr eine Psychologin oder einen Psychologen findet, dem ihr euch öffnen könnt, spielt die Form der Psychotherapie keine große Rolle.

Medikation

Viele sind oft gegen Medikation, weil Tabletten wie Anti Depressiva nach wie vor in einem schlechten Licht stehen. Allerdings helfen sie dabei den Serotoninspiegel wieder zu normalisieren, weil dieser u.a die Stimmung, das Verhalten und den Appetit reguliert. All dies wird nämlich durch die Bulimie völlig durcheinandergewirbelt.

Klinik

Ich selbst war nie in einer Klinik, aber ich empfehle es gerade Menschen mit Essstörungen, weil sie dort, anders als eine Therapie, der sehr theorethisch ist, den Umgang mit dem Essen in der Praxis neu lernen.

Falls ihr es aus Zeitgründen nicht schaffen solltet in eine Klinik zu gehen, gibt es stattdessen auch Tageskliniken, welche ihr tagsüber besucht, aber Abends wieder nach Hause geht.

Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen sind natürlich nicht für jeden was, doch auch sie sind eine Option. Dort trifft man auf Menschen, die ähnlich betroffen sind, hat die Möglichkeit sich zu öffnen, ohne verurteilt zu werden, und kann gemeinsam gegen die Krankheit vorgehen!

Falls ihr Lust habt mehr darüber zu erfahren, kann ich euch das Buch von Michaela Essstörungen- Was ist das? nur wärmstens empfehlen! (unbezahlte Werbung)

Mehr von meinen „Was ist…“Fragen findet ihr hier:

Was ist Binge Eating?

Was ist Bulimie?

Was ist Magersucht?

Außerdem ist auch ein sehr wichtiges Thema Warum ich mit meiner Essstörung weder vegetarisch noch vegan lebe !

2 Kommentare zu „Wenn gesundes Essen zu einem Zwang wird – Was ist Orthorexie?

  1. Jedes Extrem ist gefährlich. Alarmierend ist wenn die Flexibilität fehlt auf das zu reagieren was der Körper oder die Seele braucht. Da ist Aufklärung wichtig, dass auch hinter einer gesunden Ernährung ein gefährliches Extrem stecken kann. Find ich wichtig besonders für junge Mädchen die sich wohl häufiger noch an Medien und sozialen Plattformen orientieren. Liebe Grüße von Amanda

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