Immer diese Durchhalteparolen…Ist das der gesuchte Trost?

Es folgt vielleicht oder nicht vielleicht eine innere Beschwerde darüber, wie Mitmenschen sich gegenseitig aufbauen. Immer diese Durchhalteparolen…Ist das der gesuchte Trost?

In den letzten Tagen musste ich nicht selten die Augen verdrehen, als ich zum wiederholten Mal: „Ach das wird schon“, hörte. Ich sprach mit meinen Freunden über eine familiäre Krise, die mir seit Tagen auf dem Herzen lag.

Ich gebe zu, dass es nie einfach ist, mich zu trösten, denn nette Worte haben mir selten einen ermutigenden Effekt. „Das wird schon wieder“ oder „Du musst jetzt stark sein“ ist zwar lieb gemeint, aber hilft mir leider nicht. Im Gegenteil.

Nett gesagt, aber nicht gemeint?

Höre ich diese Durchhalteparolen, denke ich manchmal, dass das Gegenüber mir nicht zugehört hat. Wenn ich nämlich mehrmals wiederhole, wie ernst die Lage scheint und ich nicht weiter weiß, dann überlege ich, ob meine Worte überhaupt beim Empfänger ankommen. Ich behalte diese Gedanken natürlich für mich, weil ich nicht undankbar erscheinen will.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe und brauche Mitgefühl. Ein paar tröstende Worte helfen mir sehr! Aber wenn ich überzeugt bin, dass sich nicht alles einfach so zum positiven wendet, warum muss ich dann „stark“ sein? Ist es ein stummer Befehl, weil ich keine andere Wahl habe?

Woher kommen diese Durchhalteparolen?

Vielleicht ist es aber schon seit unserer Kindheit so gewesen. Sind wir hingefallen, haben wir geweint. Unsere Eltern haben uns dann getröstet und gesagt, dass es halb so wild ist. Der Schock war meist schmerzhafter als die Sache selbst und so lernten wir diese Parolen. Aber was weiß ich schon 😉 das sind nur amateurhafte psychologische Hirngespinste…

Mich beschleicht der Gedanke, dass uns intesive Informationen überfordern. Ich persönlich brauche ich immer einen Moment, um zu reagieren und versuche anschließend die Person aufzumuntern. Vermutlich geht es den Menschen auch so. Vielleicht ist es heuchlerisch, dass ich bei anderen optimistisch denke, außer bei mit.

Die richtigen Worte

Die Worte „richtig“ und „falsch“ sind natürlich immer mit Bedacht und vor allem individuell anzuwenden. Jedoch besteht mein persönlicher Favorit in den Worten, die ehrlich aber nicht taktlos erscheinen.

Ich wusste erst, was ich hören wollte, als es passierte. Die Person sagte folgende Sätze:

Es tut mir sehr leid für dich, dass du dieser blöden Situation ausgesetzt bist.

Es ist unfair, dass du das alles schon wieder durchmachen musst.

Ich wünschte, ich könnte dir einen guten Rat geben, aber leider weiß ich auch nicht, was man machen kann.

Wenn du darüber reden willst, bin ich jederzeit da.

Ich rate dir, Abstand zu nehmen, selbst wenn es deine Familie ist.

Es ist nicht deine Pflicht, dass du jedes Mal darunter leiden musst.

Keine Durchhalteparolen, aber viel Mitgefühl. Ehrliche Worte, dass es manchmal einfach keinen Rat gibt. Natürlich sind diese Sätze nichts für jeden, aber mir halfen sie sehr. Und für dieses Gespräch bin ich ihr sehr dankbar!

Wie fühlt ihr euch bei diesen Durchhalteparolen? Mögt ihr sie oder gehen sie euch gelegentlich auch auf den Geist? Eure (Gegen)Meinungen dazu interessieren mich immer sehr! Aber wie auch immer ihr sie findet, ich hoffe, dass ihr wenigstens einen Menschen habt, der euch bei Gelegenheit Trost spenden kann.

Habt einen wundervollen Montag! ♥

14 Kommentare zu „Immer diese Durchhalteparolen…Ist das der gesuchte Trost?

  1. Liebe Mia,

    und schon wieder so ein passender Beitrag! Gerade vor kurzem habe ich diesen Artikel dazu gelesen: https://www.onmeda.de/magazin/depression-wenig-hilfreiche-saetze.html

    Ich kann das, was Du schreibst, sehr gut nachvollziehen! Allerdings versuche ich mich dann in mein Gegenüber hineinzuversetzen und ich glaube, dass selbst diese „Floskeln“ etwas Gutgemeintes in sich tragen, denn sie entspringen aus einer ebenso großen Hilflosigkeit, wie wir sie selbst in uns tragen. Wir wissen uns selbst in solchen Situationen nicht zu helfen und der andere weiß es vielleicht auch nicht.

    Oder es ist eine Art Selbstschutz des anderen, um das Thema nicht zu nah an sich rankommen zu lassen. Ernsthaft tröstende Worte zu finden, bedeutet auch, sich mit der Situation, mit dem Leid des anderen, auseinander zu setzten. Ich denke, dass es vielen Menschen sehr schwer fällt. Vielleicht auch, weil es einem die eigenen „Abgründe“ vor Augen führt, und sich in den anderen hineinzuversetzen bedeuten würde, bei sich selbst genauer hinzusehen..

    Ich sehe es genau wie Du! Mitleid hilft nicht viel, Mitgefühl hingegen kommt einer tröstenden Umarmung gleich.

    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu durcheinander formuliert. Ich habe einfach nur geschrieben, was mir in den Sinn kam…

    Hab einen ganz ruhigen und warmen Wochenanfang ❤
    Deine Sophie

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    1. Liebe Sophie, gerade habe ich den Artikel gelesen und permanent nickend zugestimmt! Die Frau in der Bahn neben mir muss wohl glauben, dass ich an einem Nick-Syndrom leide! Vor einiger Zeit erst habe ich mit einer Freundin darüber geredet, wie banal das Thema Depression oft noch angesehen wird.

      Ich finde es wunderbar, wie feinfühlig du dich immer in das gegenüber versetzt. Und sicher sind die Floskeln nie böse gemeint.

      Aber ich glaube ich fände es mutig, wenn ein jemand sich trauen würde, nachzufragen und seine Meinung zu hinterlassen. Wie du schon sagtest – kein Mitleid, aber viel Mitgefühl!

      Dir auch einen wunderbar warmen und ruhigen Wochenstart ❤️

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      1. Hihi, „Nick-Syndrom“, das hätte ich gern gesehen! Ich hätte Dir dann ein nettes Lächeln zugeworfen 🙂

        Vielen Dank für das liebe Kompliment, dass Du findest, ich sei feinfühlig – das kann ich nur an Dich zurück geben!

        Bis bald, liebe Mia ❤

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  2. Ich glaube, es wird allzuoft angenommen, dass jetzt ein Trost nötig wäre, wenn es jemandem schlecht geht. Viele sind aber schlicht überfordert damit, weil sie kaum mal echten Trost gespendet haben und nutzen dann eben Floskeln die bestimmt gut gemeint sein mögen, aber eben nicht den Effekt haben, den der Spender erwartet. Ein Grund, weshalb ich kaum mehr jemandem mein „Leid“ klage. Die Sätze die dein gegenüber das sprach, finde ich sehr bedächtig gewählt und das kann eigentlich nur jemand, der gut zuhört. In der heutigen Zeit nehmen sich leider immer weniger Menschen die Zeit dafür. Schnell jemanden über Etwas hinweg trösten scheint einfacher. LG

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  3. Ich habe mich auch schon oft dabei ertappt, dass mich manche „Sprüche“ eher runterziehen als anspornen, was wohl eigentlich mit ihnen beabsichtigt ist. Ich unterstelle zwar immer, dass sie „gut gemeint“ sind und denke auch mit, dass niemand etwas für meine Stimmung, Befindlichkeit und Mimosität kann.

    Aber manche Aussagen simnd mir einfach zu plakativ, zu weit hergeholt und letztlcih halt doch nur „Sprüche“.

    Einer der mich, obwohl schon oft gelesen und gehört, immer wieder fuchsig macght ist der hier:

    „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!“

    Wenn einem im Leben schon Diverses „dazwischen gekommen“ ist, ist dieser Spruch eigentlich nur noch schrecklich.

    Mit einem freundlichen „Das wird schon“ habe ich da weniger Probleme, auch wenn es letztlich eine Durchhalteparole ist – aber das kann ja aus einem aufrichtigen Herzen kommen. Und nicht jeder kann (und muss) im Detail wissen, warum ich gerade diesen oder jenen Durchhänger habe.

    Mit Ratschlägen versuche ich selbst eher sparsam zu sein. Das war allerdings ein Lernprozess. Zuhören ist besser, Signale zu geben, VERSTEHEN zu wollen, wenn das gewollt wird, auch. „Da“ zu sein eben, auf diese oder jene Weise.

    War wieder einmal, nee, wie immer ein interssanter Eintrag von Dir.

    Dankeschön, liebe Mia, und ganz viele, ganz liebe Grüße an Dich! ❤

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    1. Ja, ja und nochmals ja! Du hast absolut recht und ich stehe hinter jedem deiner Sätze.

      Durchhalteparolen würde ich manchmal der Wahrheit oder sogar dem bloßen Zuhören vorziehen.

      Der Satz „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!“ ist meiner Meinung nach nicht mal Kindern zu sagen, denn diese träumen ja schließlich von der Berufung von Feuerwehrmännern oder Prinzessinnen. Zu denken, dass man alles machen kann funktioniert allein aus Zeitgründen nicht.

      Deine Zeilen haben mich gerade positiv nachdenklich gestimmt, daher werde ich jetzt einfach ein bisschen weiter philosophieren.

      Ganz liebe Grüße! ❤️

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  4. Hi Mia. Wie oft hast Du bisher versucht auf eine Misere eines anderen nachhaltig zu reagieren? Wie oft hat ein Mensch bei einer Deiner schwierigen Lagen nachgefragt und nachgehakt, weiter gefragt und qualitativ ergründet? Wie oft, wie häufig hättest Du eine tiefere Reaktion gewünscht? Und ganz ehrlich, wie oft oder häufig hättest Du sie zugelassen? Freundliche Grüße vom Mittelrhein, Olaf

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    1. Liebe Olaf,
      das sind ein paar sehr tolle Fragen! Ich beginne mal rückwärts mit deinen letzten Fragen: Ich bin sicher, dass ich eine tiefere Reaktion von welcher Person auch immer zugelassen hätte. Mir sind durchaus schon Kommentare begegnet, die ich als unsensibel, aber sehr ehrlich empfand. Ich glaube daher nicht, dass es daran liegt, dass ich es nicht zulassen kann, sondern, dass eben nicht sehr of nachgehakt und ergründet wird. Finde ich das schade? Ja. Es bedeutet nämlich, dass ich einfach nicht so gehört werde, wie ich gehört werden will. Dieses Aufmuntern ist natürlich stets liebevoll gemeint und daher versuche ich niemandem einen Vorwurf zu machen. Jedenfalls nicht von Angesicht zu Angesicht…

      Ganz liebe Grüße und danke für deinen Kommentar!

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      1. Hi Mia, danke für Deine Antwort!
        da Du von unlängst Klausuren schriebst, vermute ich Dein Alter um die 24. (23)😊 Womit ich keine Wertung Deiner Texte abgeben will und kann, denn ich finde Deine niedergeschriebenen Ansichten schon recht reflektiert. Was ich jedoch in den Jahren an Erfahrungen gemacht habe ist ein gegenteiliges Bild. Die Mehrheit aller (von Menschen in meinem Wirkungskreis natürlich) Personen sind nicht auf eine qualitative Rückmeldung vorbereitet, geschweige denn scheint sie erwünscht. Nicht vorbereitet vielleicht aus zweierlei Gründen, nämlich wegen der von Dir beschriebenen Seltenheit solcher Reaktionen und zweitens der (auch dadurch resultierenden) Unvorbereitetheit. Nicht erwünscht vielleicht, weil sich Menschen, die an einer Reflektion interessiert sind, sich mit einer Sache zuvor auseinandergesetzt (zumindest mal angedachte) haben müssten. Das habe ich seltenst erlebt. Umso schöner, dass es Menschen wie Dich gibt, die das wünschen. 😊 💪

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  5. P. S. Das bezieht sich hauptsächlich auf analoge Kontakte. Im Internet ist manches anders. Aber dennoch höchst fiktiv.
    Kennst Du das abgeschreckte Gesicht von Menschen, die einen fragten, wie es ginge, und die gefragte Person darauf erwiderte, dass es gerade nicht so gut geht? Da haben schon einige Kabarettisten ganz gute Persiflagen drüber verfasst.. 😊 Liebe Grüße in die alte Heimat (Steglitz)

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