Der Novemberblues, der schon wieder reinkickt …

Eigentlich teile ich es nur noch ungern öffentlich, wenn es mir psychisch nicht so gut geht. Ich habe nämlich immer Angst, dass ich dann zu viel „negative Energie“ verströme und andere sensible Seelen unerwartet runterziehe. Aber da ich in den letzten Tagen vermehrt das Gefühl hatte, dass es sehr, sehr vielen ähnlich geht, habe ich das Bedürfnis euch zu zeigen, dass ihr nicht allein damit seid, falls euch der Novemberblues ebenfalls am Schopf gepackt hat.

Meine beiden Hassmonate sind definitiv der November und Februar. Beide Monate sind so kalt düster und voller Stress, dass ich immer froh bin, wenn sie rum ist. Natürlich kann man Monaten nicht die alleinige Schuld für seine seelische Verfassung geben, aber ganz unschuldig sind sie auch nicht.

1. Der November ist dunkel.

Vor wenigen Wochen wurde die Uhrzeit umgestellt, was bedeutet, dass die Tage extrem kurz und die Nächte extrem lang sind. Das Tageslicht verschwindet kaum, dass es da ist, und im Grunde sieht man auch nicht mehr als eine graue Wolkendecke. Das ist unfassbar deprimierend und ich habe auch noch nie jemanden getroffen, der die dunklen Novembertage besonders cozy findet.

2. Der November ist kalt.

Im Oktober war es schon frisch, aber jetzt, wo die Sonne weg ist, und vermutlich nicht vor März auftauchen wird, bricht eine Kälte über die Welt, die einfach nur unangenehm ist. Einige mögen es lieber, wenn es kalt ist, aber der Mensch ist trotzdem nicht für diese kalten Temperaturen gemacht. Und es ist schließlich nicht nur die Kälte. Es ist auch windig, regnerisch und damit auch rutschig und nass.

3. Der November ist stressig.

Das war er schon immer. In der Schule standen um diese Uhrzeit die ersten Prüfungen vor der Tür und in der Uni waren es die Vorträge. Jetzt ist es irgendwie alles – eine Deadline, die mir im Nacken sitzt, mein anderer Job, für den ich kaum Zeit finde, meine Hobbies, die durch die fehlende Zeit zu kurz kommen und ach ja – Corona ^^ Die Zahlen schießen wieder in die Höhe, und auch, wenn wir alle hoffentlich geimpft sind, stresst es uns trotzdem, dass wir nicht mehr guten Gewissens raus, ins Kino oder sonst wo hin können, wo viele Menschen sind (Bei mir ist es zumindest so).

Dies alles sind allgemeine Aspekte, die den November zu einem äußerst deprimierenden Monat machen. Natürlich gibt es auch viele individuelle Aspekte, die zusätzlich reinkicken. Aber vielleicht ist das ein unüberschreitbares Naturgesetz, dass so viel geballte negative Energie wie ein Magnet wirkt und noch mehr negative Energie anzieht. Kennt ihr das, wenn ihr das Gefühl habt, dass alles Übel immer auf einmal kommt? So geht es mir gerade. Ich bin dauerhaft übermüdet, weil ich so schlecht schlafe, und wenn ich es tue, schlecht träume. Ich nehme den Druck und den Stress mit ins Bett, wache mit ihm auf und trage ihn den ganzen Tag mit mir.

4. Der November lässt alte Glaubenssätze zum Vorschein kommen.

Lange nicht mehr habe ich mich so sehr wie eine Versagerin gefühlt wie jetzt gerade. Lange nicht mehr waren die Gedanken, schlecht, faul oder dumm zu sein, so präsent wie in diesem Moment. Der Grund dafür ist meine neue Buchveröffentlichung, mit der ich mich so verletzlich gemacht habe wie noch nie. Ich kann jetzt noch nicht so wirklich ins Detail gehen, weil ich noch gar keine Worte dafür finde, was es mit mir gemacht hat, etwas so Großes zu teilen – aber sobald alles nicht mehr so frisch ist, werde ich das auf jeden Fall nachholen. Fakt ist, dass mich einer der größten Meilensteine meines Lebens sehr stark zurückgeworfen hat.

5. Der November beeinträchtigt mein Essverhalten.

Noch dazu bereitet mir mein Essverhalten wieder ein bisschen Sorgen. Ich esse einfach zu wenig – was eindeutig an dem Magengeschwür in meinem Bauch liegt. Stress schlägt mir immer auf den Magen, aber gerade ist es so schlimm, dass mir fast die ganze Zeit übel ist (selbst, wenn es mir gerade „gut“ geht). Ich weiß, dass das nicht gesund ist und ich beobachte es. Essstörungssymptome sehe ich bei mir zwar keine, aber aufgrund von Stress und Trauer nicht zu essen hat trotzdem etwas anorektisches (In diesem Beitrag kläre ich euch btw über den Unterschied von Anorexie und Magersucht auf).

Wie ihr also seht, hat der Novemberblues mich fest in seinen Händen. Es ist lästig und vor allem unangenehm, aber eine Gewissheit hilft mir trotzdem:

Wir sind nicht allein damit!

Geteiltes Leid ist halbes Leid – das ist einfach so. Wenn wir die Last nicht allein tragen müssen, wird sie automatisch leichter. Und obwohl ich niemandem einen blöden Novemberblues wünsche, hilft es doch zu wissen, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der sich mit diesen starken Emotionen plagt. Da draußen sind so viele, denen es ähnlich wie mir geht, viele, die ebenfalls gestresst sind, zweifeln und einfach nur traurig sind.

Lasst euch nicht von Social Media in die Irre führen.

Die sozialen Netzwerke mögen uns zwar das Gefühl geben, dass alle Welt ihr Leben auf die Reihe kriegt, nur man selbst nicht – aber dem ist nicht so. Vermutlich strugglen die meisten von uns gerade und das ist in Ordnung. Ich freue mich für jede einzelne Person, die dem Novemberblues erfolgreich ausweichen konnte, und umarme (virtuell) jede, der es gerade nicht gut geht.

Tut euch besonders viel Gutes

In meinen Tipps zum Überwintern habe ich bereits ein paar praktische Tipps geteilt – die Wohnung hübsch dekorieren, Spieleabende veranstalten usw. Wichtig ist aber auch der Psyche Gutes zu tun. Macht viele Pausen, nehmt lange Bäder, kommt irgendwie zur Ruhe, und vor allem: Macht euch bitte nicht selbst runter! Das, was mir aktuell sehr hilft, ist Selbsttrost!

Und nochmal:

Ihr seid nicht allein! ❤ ❤ ❤

Ganz viel Kraft euch!

8 Kommentare zu „Der Novemberblues, der schon wieder reinkickt …

  1. Guten Tag

    Meine depressiven
    Lebensphasen
    seit meiner Kindheit

    lieber sterben
    als den Schmerz
    nur für einen Moment
    auszuhalten
    jahrelang

    auch die Umwelt
    die an dieser
    meiner Krankheit
    gelitten hat

    wenn diese Krankheit
    mich wieder
    überfällt
    versuche ich
    den Schmerz
    auszuhalten

    Liebe Grüße
    Hans Gamma

    Gefällt 1 Person

  2. Gute Besserung mit dem Magengeschwür – und für den Rest: nimm Dir Zeit für Dich. Der November ist auch Erinnern, Innehalten, das Entdecken von Grautönen und das Genießen der letzten Sonnenstrahlen, die Du zuvor gesammelt hast.
    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

  3. Der November ist grundsätzlich schon schwer genug, aber wenn dann noch Anderes hinzukommt … – Ich weiß ja, dass Du auch gerade alles andere als eine leichte Zeit hast. Um so mehr war und bin ich berührt von Deinen Worten auf meiner Blogseite und „auf anderem Weg“.

    Ich wünsche Dir auch gute und möglichst rasche Besserung, so ein Magengeschwür ist etwas sehr Unangenehmes und auch nicht ganz leicht auf die Schulter zu nehmen. Du bräuchtest gerade jetzt Ruhe und Rückzug, Besinnung und Raum und Zeit für Dich. Und gerade jetzt hast Du so wenig davon.

    Ich lasse Dir auch hier ganz, ganz liebe Grüße! 💖

    Gefällt 1 Person

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