Heyho! Wieder ist’s lang her, doch ich bin zurück mit einem wichtigen Thema, das im Grunde uns alle betrifft. Am allermeisten jedoch Menschen mit Essstörung. Denn emotionales Essen hilft nur kurz.
Dass wir Essen als Belohnung sehen, lernen wir meist schon in jungen Jahren und setzen es über unser ganzes Leben fort. Wir essen, um uns was Gutes zu tun. Denn natürlich hilft es, lenkt uns ab, beruhigt uns, bringt uns vielleicht sogar runter. Dieser Zustand währt nur leider nicht lang, was dazu führt, dass wir einfach weiter essen. Und hier beginnt das Problem.
Die Rede ist von der Normalität, Essen als Ventil zu nutzen.
Denn natürlich hilft es, wenn wir essen. Einige Lebensmittel, besonders jene, die reich an Zucker, Fett und Salz sind, können das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren. (Dopamin) In stressigen Momenten greifen wir daher oft zu Essen, und sehen es häufig gar nicht als Problem. Schließlich müssen wir ja essen. Und es ist ja wohl nichts daran auszusetzen, sich mal was zu gönnen … Oder?
Woran erkennt ihr emotionales Essen?
Den Unterschied macht das Warum aus.
Warum esse ich gerade? Weil ich Hunger habe oder Appetit? Weil mich der Muffin hinter dem Tresen angelacht hat? Weil der Duft so verlockend war?
Oder weil es mir nicht gut geht? Weil ich gestresst bin und kurz an etwas anderes denken will? Weil mich nur Essen runterbringen kann?
Lange Rede, kurzer Sinn: Essen, das von körperlichem Hunger kommt, ist nicht emotional.
Essen, das von emotionalem Hunger kommt, ist emotional. In dem Fall beschränkt sich das Essen auch oft auf kalorienreiche Lebensmittel, die wir sonst nicht essen. Die Menge, die wir dabei verdrücken, ist häufig auch viel höher als bei typischen Mahlzeiten.
Warum Essen bei emotionalem Hunger nicht hilft
1. Die Probleme sind trotzdem nicht gelöst
Der Muffin mag uns kurz runterbringen, aber danach sind die Probleme trotzdem noch da. Anders als der Muffin verschwinden sie nicht in unserem Darmtrakt, im Gegenteil, sie warten geduldig auf uns.
2. Gesundheitliche Auswirkungen
Wir alle wissen, dass eine unausgewogene Ernährung und ein Überschuss von zucker- und fetthaltigen Lebensmitteln bestimmte Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen und Bluthochdruck fördern können. Ebenso nicht zu vergessen ist der Einfluss von Körper und Psyche. Viele körperliche Beschweigen sind bei mir später auch seelisch geworden (und andersherum).
3. Sucht und Teufelskreis
Wie bei vielen anderen Suchtmitteln kann sich eine Toleranz gegenüber bestimmten Lebensmitteln entwickeln. Das bedeutet, dass wir im Laufe der Zeit immer größere Mengen benötigen, um das gleiche Belohnungsgefühl zu erzielen. Dieses Suchtverhalten kann zu einem Teufelskreis führen.
4. Verlust des Sättigungsgefühls
Wenn wir immer nur aus unseren Emotionen heraus essen, kann es irgendwann passieren, dass wir unser Sättigungsgefühl verlieren – und damit viel mehr essen als der Körper benötigt. Bei mir war es irgendwann so schlimm, dass ich erst aufhören konnte, wenn ich so vollgestopft war, dass ich richtig schlimme Bauchschmerzen bekam. Vorher fühlte ich mich die ganze Zeit „leer“. Ich gewöhnte mich sogar an den Schmerz, und wusste irgendwann gar nicht mehr, wie es ist, zu essen, ohne, dass der Bauch danach wehtut.
5. Binge Eating
Waren wir davor „nur“ bei emotionalem Essen, sind wir nun bei Essanfällen, die wir nicht mehr länger kontrollieren können. Die Mengen können unbeschreiblich groß sein, und mit dem Essen aufzuhören, scheint unmöglich. In diesem Fall ist auf jeden Fall von einer Essstörung die Rede. Und diese kann natürlich auch in eine Bulimie erweitern – wenn das schlechte Gewissen nach dem Essen so groß ist, dass wir es um jeden Preis „kompensieren“ wollen.
Ist emotionales Essen immer schlecht?
Ich sag mal so: emotionales Essen ist menschlich. Wir alle essen mal aus Emotionen, gönnen uns eine Leckerei, nachdem wir einen schlechten Tag hatten. Essen ist schließlich auch Lebensqualität, und wir dürfen uns auch mal fallen lassen, ohne den Zwang zu verspüren, dass wir nicht dürfen.
Wichtig ist, es nicht IMMER zu tun. Ich für meinen Teil habe zum Beispiel jeden Tag extrem viel Stress. An vielen Abenden in der Woche ist mit mir nichts anzufangen, und sehr oft wünsche ich mir, meine Gefühle zu betäuben. Aber ich kann nicht jeden Tag aus emotionalen Gründen essen – das habe ich Jahre lang gemacht, und es hat meine Probleme auch nicht gelöst. Im Gegenteil …
Stattdessen rede ich mit meinem Freund, erzähle ihm von meinem Tag, erzähle ihm vom Stress. Dann halten wir uns einen Moment im Arm oder gehen wir eine Runde spazieren. Manchmal rufe ich eine Freundin an und lasse mich von ihr ablenken. Oder ich schaue irgendwas Stumpfsinniges im Fernsehen, das mich ein bisschen ablenkt. Jetzt gerade ist auch wieder die Puzzlezeit bei mir angebrochen, die meinen erhitzten Kopf immer etwas abkühlt. Es gibt etliche Ventile, die nichts mit Essen zu tun haben und uns trotzdem runterbringen. Wir müssen sie nur finden.
Inzwischen esse ich sehr selten aus Emotionen heraus.
Es gibt mir einfach nichts mehr. Meistens kann ich das Essen nicht einmal richtig genießen, weil ich mit den Gedanken zu weit weg bin. Dennoch gönne ich mir ab und an was. Meine sonntägliche Kuchentradition gibt es immer noch, und ich backe auch sehr viel (was mir meist noch mehr Spaß macht als das Essen). Ich will nicht das Gefühl haben, dass ich mir ständig Essen verbiete, aber ich will mir auch nicht nur geile Sachen gönnen, weil es mir nicht gut geht. Versteht ihr, was ich meine?
Wie höre ich auf, aus emotionalen Gründen zu essen?
Nun, es kommt drauf an, wie stark ihr auf das emotionale Essen angewiesen seid. Bei Betroffenen von Essstörungen wie Binge Eating und Bulimie ist der Weg natürlich sehr mühselig und schwer, und bedarf nicht nur einer „Umgewöhnung“, sondern dem Heilen seiner psychischen Wunden. Das geht nicht von jetzt auf gleich, und bedarf sehr viel Unterstützung. Nehmt die Hilfe also an, die sich euch bietet. ❤
Bei Menschen ohne Essstörung ist es natürlich leichter, kann aber trotzdem mehrere Anläufe benötigen, da dadurch oft der Alltagsrhythmus geändert werden muss. Das Gehirn braucht eine Weile, um sich daran zu gewöhnen, dass es bei Stress oder Kummer nichts zu essen kriegt. Aber sobald ihr neue (gesunde) Ventile für euch entdeckt habt, wird euch das Essen irgendwann nicht mehr fehlen.
Mehr Tipps findet ihr unter diesem Beitrag: Emotionales Essen – 5 Strategien, um sich aus dem Teufelskreis zu befreien
Und vergesst nicht: Es geht mir nicht darum, vom einen Extrem ins andere zu schlagen. Für mich ist Essen sehr intuitiv, und wenn ich Lust auf etwas habe, möchte ich es mir auch nicht verkneifen. Ich will nur nie wieder das Gefühl haben, dass ich überhaupt nicht mehr funktioniere, wenn ich nicht esse.
