Um Heißhunger zu vermeiden: Ersetzt Gerichte nicht durch „gesündere“, die euch nicht schmecken!

Es gibt viele Gründe für Heißhungerattacken. Einer davon liegt eigentlich klar auf der Hand, trotzdem ignorieren ihn viel zu viele. Deshalb also mein Apell: Ersetzt Gerichte nicht durch „gesündere“, die euch nicht schmecken!

Das Thema Ernährung ist bei vielen Menschen ein großes Thema. Immer mehr achten wir darauf, was wir zu uns nehmen, achten auf gesunde Nährstoffe, ausgewogene Ernährung etc. Alles schön und gut. Schwierig wird’s, wenn wir anfangen, uns etwas zu verkneifen, obwohl wir eigentlich etwas anderes essen möchten. Unser Körper weiß oft selbst, wonach ihm gerade ist, aber manchmal entscheidet unser Kopf. Und das kann zu Heißhungerattacken führen, die nicht selten in Essanfällen münden.

Der „gesunde“ Ersatz

Erst neulich fiel ich wieder ein den vertrauten Sog. Es ist nämlich so, dass ich seit einigen Monaten jeden Tag eine Schüssel Schokomüsli mit Vanillequark zum Frühstück esse. Meinem Körper geht es gut damit – weder leide ich unter einem Zuckerschock, noch habe ich davon zugenommen. Manchmal, wenn ich bei meinem (Diabetiker) Vater bin, probiere ich sein Messgerät aus, um meinen Blutzucker zu checken – und dieser ist bei mir (trotz all der Süße am Morgen) sogar fast immer zu niedrig.

Trotzdem bekam ich irgendwann ein schlechtes Gewissen, und kaufte beim nächsten Mal ein kalorienärmeres Schokoporridge. Dies wollte ich eigentlich mit Wasser mischen, entschied mich aber dann doch für Hafermilch.

Ich mochte es trotzdem nicht. Es war mir nicht süß, nicht knusprig genug, und danach hatte ich meistens noch immer so viel (Heiß)Hunger, dass ich weiteraß. Schließlich kaufte ich wieder mein altes Müsli und pfiff auf die lauten Stimmen in meinem Kopf, die mahnten, dass schon genug Zucker im Müsli, und der Quark ebenfalls gesüßt ist. Ja, ist er – na und?

Gesunde Alternativen = Teufelskreis

Denn es gibt immer etwas, dass noch „gesünder“ ist. Ich wollte gesüßten Quark erst durch ungesüßte Milch und schließlich durch Wasser ersetzen. Irgendwann hätte ich das Schokoporridge durch ein anderes ersetzt und vermutlich auch meine Portionen gekürzt. So ist das eben mit dem Teufelskreis. Es geht immer gesünder, wobei es irgendwann nicht mehr gesund ist.

„Gesund“ ist relativ

Und was ist überhaupt gesund? Klar gibt es Ernährungsweisen, die hohen Blutdruck und verstopfte Arterien verursachen, aber wenn mein Körper mir sagt, dass das, was ich zu mir nehme, gut ist, wie kann das dann falsch sein?

Für mich hänge gesunde Ernährung nicht zwangsläufig mit den Nährstoffen zusammen. Ich finde es gesund, sich ausgewogen zu ernähren. Sich hin und wieder was zu gönnen, damit der Körper nicht ständig danach lechzt und Heißhunger bekommt.  

Essen, was einem schmeckt

Egal, wie achtsam wir zum Thema Ernährung stehen, es ist wichtig, Dinge zu essen, die uns schmecken. Tun wir das nicht und ersetzen sie durch Alternativen, die uns nicht schmecken, kann folgendes passieren:

  • Ihr seid zwar satt, aber unbefriedigt
  • Ihr seid immer noch hungrig, weil das „Gesunde“ euch nicht satt gemacht hat
  • Ihr bekommt Futterneid der Person gegenüber, die etwas Leckereres bestellt habt
  • Ihr seid schlecht gelaunt, weil ihr das Essen gar nicht genossen habt                                                         

Und dann bekommt ihr Heißhunger. Und dann esst ihr weiter. Vermutlich viel mehr als ihr wollt und eurem Körper guttut…

Ersetzt Gerichte nicht durch „gesündere“, die euch nicht schmecken!

Es ist schön, wenn ihr euch damit auseinandersetzt, was ihr esst. Aber es ist trotzdem wichtig, das zu mögen, was ihr zu euch nehmt. Jeder „Ersatz“ ist falsch, wenn er euch unbefriedigt zurücklässt. Vertraut darauf, was euer Körper signalisiert.

Was, wenn ich nur Lust auf Ungesundes habe?

Wenn ihr das Gefühl habt, dass euer Körper euch nur zu „ungesundem“ Zeig rät, dann garantiere ich euch, dass es nicht der Körper ist, der spricht, sondern eher die Gewohnheit, und/oder bei Essstörungen das, was eigentlich hinter dem Essen steht.

Wir sind Gewohnheitstiere, und stecken wir mal im Trott fest, ist es schwer, uns umzugewöhnen. Anfangs kann es auch sein, dass der Körper sich anfangs denkt: Ey, wo bleibt meine tägliche Pizza? – aber dieser „Entzug“ ist nur von kurzer Dauer.

Den Zugang zum Körper zu finden, ist alles andere als leicht, aber wenn ihr ihn findet, dann verlasst euch auf seine Stimme. Er weiß, was er braucht.

Hier findet ein paar weitere Beiträge, die euch helfen könnten, besser mit Heißhunger umzugehen:

Heißhungerattacken und Essanfälle? – Iss dich satt!

Intuitives Essen: Wie du es schaffst, mit dem Kalorienzählen aufzuhören

Der bewusste Verzehr von „gesunden“ Süßigkeiten hält euch weiterhin an der Essstörung fest!

Ist Zucker wirklich schädlich?

Und hier auch ein Paar Worte zum Begriff Orthorexie:

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